Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

Tragisches Pathos und ironische Skepsis

- "Mein Ziel war eigentlich, die Stadt Buda zur Heimstätte des Islam zu machen", schrieb in seiner Siegesschrift Suleiman der Große. Nach der Eroberung weiter Teile des ehemaligen Königreichs Ungarn verwandelte der Sultan die Kirchen in "Dschamis". Und: "In den Landschaften, die vordem das Läuten der Glocken gewohnt waren, war von nun an die Stimme des Muezzins zu hören." Das war 1540. Die Türken hatten Platz genommen an der Donau und sollten 150 Jahre dort bleiben. Ungarn war dreigeteilt.

<P>Die Geschichte seines über tausend Jahre alten Landes erzählt in einem prägnanten und geschliffen geschriebenen Überblick der ungarische Schriftsteller György Dalos. Dabei gelingt ihm nicht nur die umfassende historische Information. Sondern er vermittelt darüber hinaus dem Leser das Gespür dafür, was das Ungarische ausmacht.</P><P>Das beginnt 870. Aus dieser Zeit stammt eine der ersten Erwähnungen. Und es schließt mit Ungarn im Umbruch, Ungarn als EU-Mitglied, Ungarn als Reformstaat. Dazwischen Kriege und immer wieder Fremdherrschaft, Tragödien ungarischer Könige, bayerischer Bräute und der sich niederlassenden Juden. Im Spannungsfeld zwischen Osten und Westen wurde das Land zerrieben - und die Nation gestärkt. </P><P>Wie in einer auf den Wogen schaukelnden Nussschale hat sie die politischen Stürme der Jahrhunderte überdauert. Das ist, zumindest für den deutschen Leser, das Erstaunliche an diesem Buch: dass György Dalos ohne Scheu, aber auch frei von übertriebenem Stolz seinem Land huldigt und dennoch nie den kritischen Blick aufgibt. Ungarns beste Zeit, schreibt er, war das Jahrhundert der Habsburger. Die schwerste - aus heutigem Bewusstsein - das 20. Jahrhundert.</P><P>Das Paktieren mit den Deutschen, die Übernahme der Judengesetze, Krieg und Holocaust trieben das Land "in den Abgrund". Von dem es sich nach 1945 nur allmählich wieder erholte. Der stalinistische Terror, die Jahrzehnte der Volksdemokratie, die Lächerlichkeit der Kulturrevolution - sie forcierten tragisches Pathos, ironische Skepsis und Besinnung auf die eigene kulturelle Herkunft. Letztlich gingen daraus die Ungarn wiederum als Nation gestärkt hervor, von deren Selbstbewusstsein 1989 auch die Deutschen profitierten.Sabine Dultz</P><P>György Dalos: "Ungarn in der Nußschale". Verlag C.H. Beck, München, 200 Seiten; 19, 90 Euro.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Lear“ in Salzburg: Apokalypslein now
Die letzte Premiere der Salzburger Festspiele bringt ein Schlüsselwerk der Moderne auf die Bühne, Aribert Reimanns „Lear“. Während Bariton Gerald Finley triumphiert, …
„Lear“ in Salzburg: Apokalypslein now
Fans fassungslos: Jamie-Lee hat eine Mitteilung, die alles verändern wird
Sie wurde Letzte beim ESC 2016. Doch trotzdem machte sie weiter. Doch jetzt sind die Fans fassungslos: Jamie-Lee hat eine Mitteilung, die alles verändern wird.
Fans fassungslos: Jamie-Lee hat eine Mitteilung, die alles verändern wird
Maler Karl Otto Götz ist tot
Er galt als Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit: Karl Götz. Der Maler ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Maler Karl Otto Götz ist tot
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown

Kommentare