Trauer um "Jahrhundertfotograf" Cartier-Bresson

- Paris/Berlin - Der Tod des weltberühmten Fotografen Henri Cartier-Bresson hat Trauer in seinem Heimatland Frankreich, aber auch in Deutschland ausgelöst. In Reaktionen wurde am Donnerstag seine herausragende Bedeutung für den Fotojournalismus gewürdigt.

<P>In Berlin konnten sich nach dem Tod des "Jahrhundertfotografen" Besucher der großen Cartier-Bresson-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in ein Kondolenzbuch eintragen.</P><P>Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac bezeichnete Cartier-Bresson als "einen großen Humanisten". "Er war ein wesentlicher Zeuge seiner Zeit" und habe das 20. Jahrhundert "mit viel Leidenschaft fotografiert und mit seinem universellen Blick die Menschen und die Zivilisationen verewigt", sagte Chirac in Paris zum Tod des "Erfinders des Fotojournalismus" und Mitbegründers der bekannten Bildagentur Magnum. Chirac äußerte "Bewunderung, Freundschaft und Respekt" für Cartier-Bresson.</P><P>Offen war zunächst, ob die ursprünglich bis 15. August in Berlin geöffnete Retrospektive mit 350 Bildern möglicherweise verlängert wird. Die Werkschau habe von Anfang an einen großen Zulauf gehabt, bisher seien 70 000 Menschen gekommen, sagte eine Museumssprecherin. Cartier-Bresson habe zur Eröffnung im Mai kommen wollen, sei aber wenige Tage zuvor gestürzt und habe absagen müssen.</P><P>Der 95-Jährige war am Dienstag in Südfrankreich in seinem Wohnhaus "Le Claux" nördlich von Marseille gestorben und wurde am Mittwoch in Montjustin nahe seines Wohnortes Céreste im engsten Familienkreis bestattet. Er habe in den letzten Tagen keine Nahrung mehr zu sich genommen und sei zunehmend schwächer geworden, hieß es.</P><P>Trauer herrschte auch bei Magnum. "Wir haben mit ihm einen Meisterfotografen verloren", erklärte Abbas, einer der wichtigsten Fotoreporter der Agentur, der dpa. Cartier-Bresson war bis 1966 Mitglied der Fotoagentur, die noch heute als die beste und anspruchsvollste der Welt gilt. Bis ins hohe Alter wurde der Fotograf aber zu den Magnum-Sitzungen eingeladen. Noch im vergangenen Jahr eröffnete er die Pariser Stiftung Henri Cartier-Bresson.</P><P>Über Bilder redete der Reporter und Bildpublizist kaum. "Über Fotografie gibt es nichts zu sagen, man muss einfach hinsehen." Und diese Fähigkeit, im entscheidenden Moment hinzusehen, unterschied HCB von vielen anderen Bilderjägern. Er porträtierte die Großen dieser Welt, aber auch viele Namenlose und war auch zudem erfolgreich als Landschaftsfotograf.</P><P>In mehr als einem halben Jahrhundert hat der Starfotograf, der zuerst Malerei studierte, bevor er 1931 die Fotografie entdeckte, wichtige Ereignisse abgelichtet: den Spanischen Bürgerkrieg, den "Langen Marsch" der Armee des chinesischen Revolutionsführers von Mao Tsetung, die Invasion der Alliierten, die Entkolonialisierung Indonesiens, Gandhi oder Berlin nach dem Mauerbau.</P>

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