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Margit Bönisch in ihrer Komödie im Bayerischen Hof.

Nachruf

Margit Bönisch - Mittelpunkt einer Künstlerfamilie

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München - Trauer um Margit Bönisch, Prinzipalin der Komödie im Bayerischen Hof München, die mit 73 Jahren verstarb.

Margit Bönisch war immer da, bei jeder Premiere ihrer Komödie im Bayerischen Hof. Kümmerte sich hinter den Kulissen, begrüßte im Foyer Bekannte. Bei der Premiere von Eric Assous’ Komödie „Glück“ am 27. Januar vermisste man sie. Krank? Das gab es bei ihr nie. Nach lange anhaltendem Applaus teilte Thomas Pekny, langjähriger Ausstatter am Haus, auf der Bühne mit, dass die Prinzipalin am Nachmittag unerwartet verstorben sei. Eine Übelkeit am Tag zuvor, mehr nicht.

Der Schock geht tief. Margit Bönisch war ja nicht nur eine leidenschaftlich engagierte Theaterchefin, umsichtig, sachlich, effizient. Sie war ein unverstellter Mensch, der dem Gegenüber einen herzlichen Bezug anbot. Geboren wird sie am 29. Januar 1942 im sudetendeutschen Kunewald. Die Vertreibung der Familie, der Vater im Krieg verwundet, die Mutter als Magd das Überleben sichernd, das muss Bönisch schon als Kind geprägt haben. Denn ihre Grundeinstellung war stets, bei allen Widerständen nicht aufzugeben. Und ihrer Kraft, ihrer Ausdauer hatte sie, haben alle Münchner dieses nostalgisch plüschige, dieses wunderbare abwechslungsreiche Komödientheater zu verdanken – das ja nie eine Subvention erhielt. Bitter darüber war sie nicht. Aber als die Stadt ihr zum 20-jährigen Komödien-Jubiläum 2011 die Medaille „München  leuchtet“  verlieh, hat sie, wie sie unserer Zeitung damals verriet, mit dem Gedanken gespielt abzulehnen.

Mit der Leitung der Komödie wird ein Jugendtraum war

Initiator für Margit Bönischs Laufbahn war, wenn auch wohl ungewollt, ihr Onkel, Lehrer in Unterhaching, der sie bei seinen regelmäßigen Theater- und Opern-Besuchen mitnimmt. Nach einer Lehrzeit bei der Züricher „Bühne 64“ und der Co-Leitung eines Berliner Tourneetheaters gründet sie, mit ihrem Wirtschaftsabitur gut vorbereitet auf Disposition und Kalkulation, 1974 die „Münchner Tournee“. Und durch Vermittlung des umtriebigen Theatermannes August Everding wird 1992 ihr Jugendtraum wahr: Sie übernimmt die Leitung der Komödie im Bayerischen Hof.

Dass sie dort von ihren Tournee-Klassikern – darunter Strindbergs „Totentanz“, Goethes „Tasso“ und Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ – umpolen muss auf Boulevard, schmerzt sie. Aber mit Einfühlung in die Publikumserwartung, auch dem Rat ihrer Vorgängerin Isebil Sturm gehorchend („Kindchen, in meinem Theater stirbt niemand auf der Bühne“), schiebt sie klug zwischen klassische Unterhaltungsstücke wie „Barfuß im Park“, „Feuerzangenbowle“, zuletzt „Zwei ahnungslose Engel“ auch mal einen Molière ein. Mit dessen „Menschenfeind“ in der Regie von Hans Schweikart hatte sie schon die „Münchner Tournee“ gestartet. Ihr ursprüngliches Ziel – ähnlich dem Berliner Renaissancetheater –, mit ihrer Komödie eine Art Brücke zu schaffen zum „E-Theater“, hier also den Kammerspielen und dem Residenztheater, dieses Ziel hat sie leider nicht mehr erreicht.

Aber durch ihr Geschick haben wir in diesem 570-Plätze-Haus doch viel hinreißendes Theater erlebt: Abende mit Schauspieler-Kabarettist-Autor Jochen Busse (28. Januar 1941), mit dem Margit Bönisch den Geburtstag traditionell gemeinsam feierte; Kammerspiele wie Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ mit Walter Sittler und Berg-und-Talbahn-Beziehungskomödien wie Florian Zellers „Die Wahrheit“ mit Michael von Au. Schauspiel- und TV-Prominenz hat immer wieder gerne bei Bönisch gespielt, von Michaela May und Heidelinde Weis bis Heiner Lauterbach und Günther Maria Halmer und viele andere, die hier zu nennen wären.

Ein Verlust für die Stadt München

Um diese großartige Theaternärrin hat sich eine riesige Künstlerfamilie versammelt, in der sich offensichtlich jeder Einzelne gut aufgehoben fühlte. Und genau so die Zuschauer, die mit unvermindertem Zustrom über drei Jahre hin die kesse Männerstory „Ladies Night“, obgleich gar nicht mal Star-besetzt, zum Kult machten; die weder die musikalischen Events – vom Piaf-Abend bis zum Musical „Sehnsucht nach dem Happy End“ mit 35 Songs von Peter Kraus – noch, im Schlepptau die Sprösslinge, die Weihnachtsmärchen ausließen. Mit zeitgenössischen Stücken wie Stefan Vögels hinreißendem Multi-Kulti-Spaß „Achtung Deutsch“ hätte die Chefin sicher in Zukunft auch noch das Publikum etwas verjüngen können.

Dass „die Bönisch“ nicht mehr da ist, ist ein Verlust für ihre Schauspieler, die vor der Münchner Saison jeweils deutschlandweit tourten, ein Verlust für die Stadt München, in der Bönischs Komödie leuchtete. Bis Ende der Saison wird der Spielbetrieb weitergehen. Aber was dann?

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