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Michael Ballhaus (1935-2017)

Nachruf

Michael Ballhaus – der König der Kamera

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Berlin - Er revolutionierte mit Rainer Werner Fassbinder den deutschen Film, dann verzauberte er Hollywood mit seinen Bildern. Jetzt ist der Kameramann Michael Ballhaus im Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf:

Es ist nur ein Satz – doch erzählt er so vieles. „Und anzufangen“, lautet dieser Satz, „das war mir immer das Liebste“. Es ist bezeichnend, dass dies der letzte Satz von „Bilder im Kopf“ ist, der sehr lesenswerten Autobiografie von Michael Ballhaus. Denn es war das Lebensmotto dieses großartigen, im Umgang so zurückhaltenden wie angenehmen Filmkünstlers. Jetzt ist Ballhaus im Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben.

Ihm ist Ungewöhnliches gelungen – er ist als Kameramann berühmt geworden. Wer das Kino liebt, kennt natürlich die Namen von Regisseuren, von Schauspielern. Wer jedoch bei welcher Produktion die Kamera führte, wissen die wenigsten. Es sei denn, Michael Ballhaus stand hinter der Kamera. In seinen besten Arbeiten – und wenn die Regisseure ihn ließen – entfesselte er die Bilder auf der Leinwand, brachte die Kamera zum Schweben, Kreisen. Dann erzählte Ballhaus Geschichten allein durch Bewegung und Licht.

Dreimal war Ballhaus für den Oscar nominiert

Der Berliner, Jahrgang 1935, hat „mit seinen Augen gelebt und gearbeitet“, wie er es einmal formulierte. Dreimal war der Bilderzauberer für den Oscar nominiert: für „Nachrichtenfieber“, für „Die fabelhaften Baker Boys“ (wo er die in einem roten Kleid auf einem Flügel liegende Michelle Pfeiffer mit seiner Kamera umkreiste und allein mit dieser Fahrt alles über das Begehren und die Verletzlichkeit ihrer Figur verriet) und für „Gangs of New York“.

Aufgewachsen ist Ballhaus in der Theaterkommune seiner Eltern im fränkischen Coburg. Hier lernte er auch Helga (1935-2006) kennen, die Liebe seines Lebens. In den Bavaria-Studios in Geiselgasteig durfte er 1955 Max Ophüls beim Dreh von „Lola Montez“ zusehen und war fasziniert von der Arbeit des Kameramanns Christian Matras. Die Begegnung veränderte Ballhaus’ Leben: „Ich weiß nicht, ob man das, was mit mir geschah, mit der Liebe auf den ersten Blick vergleichen darf, ich weiß aber, dass ich nicht lange zuschauen musste, um zu spüren und zu begreifen, dass es genau das war, was ich werden wollte: ein Kameramann.“

Seine Karriere in Hollywood beendete er mit „Departed“

Seine Karriere begann Ballhaus dann beim Fernsehen, doch bald sollte er mit Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) den bis dato inhaltlich wie ästhetisch oft biederen deutschen Film revolutionieren. Bei insgesamt 17 Arbeiten des Münchner Regisseurs führte Ballhaus die Kamera, gehörte dabei aber nie zu dessen engerem Kreis – und hatte irgendwann genug von den Eskapaden des „Koks-Monsters“. Das überrascht nicht: Ballhaus legte beim Drehen wert auf das Zusammenspiel von „Inspiration und Disziplin“. Wer seine Filme sieht, versteht, was er damit meinte. Eben dieses Credo machte den Deutschen in den Folgejahren zum überaus begehrten Kameramann in Hollywood: Er drehte mit Mike Nichols, Paul Newman, Robert Redford, Francis Ford Coppola – und immer wieder mit Martin Scorsese. Mit dessen Film „Departed“ beendete Ballhaus 2006 auch seine Hollywood-Karriere – und kehrte nach Berlin zurück. Nur noch bei einer weiteren Kino-Produktion stand er danach hinter der Kamera, bei „3096 Tage“, der Verfilmung des Schicksals von Natascha Kampusch. Seine zweite Frau Sherry Hormann führte damals Regie.

Seine Karriere fasste Ballhaus selbst im Rückblick einmal so zusammen: „Der Beruf war mein Traumberuf, meine Passion. Dass ich dafür auch noch Geld kriege, fand ich manchmal erstaunlich.“ Sehr viel mehr hat er mit seiner Arbeit jedoch uns, sein Publikum, erstaunt.

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