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„Star Wars“ machte Carrie Fisher berühmt - und war zugleich ein Mühlstein, der sie nach unten zog.

Nachruf

Das Weltall weint um Prinzessin Leia

Los Angeles - Trauer um die Schauspielerin Carrie Fisher, die mit „Star Wars“ berühmt wurde. Jetzt ist sie im Alter von 60 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. 

Es gehört zur Tragik von Carrie Fisher, dass kaum jemand etwas mit ihrem Namen anfangen kann – und doch Millionen Menschen betroffen auf die Nachricht ihres gestrigen Todes im Alter von 60 Jahren reagieren, sobald sie erfahren, dass Prinzessin Leia gestorben ist.

Fisher ist gerade mal 20, als die Science-Fiction-Operette „Star Wars“ überraschend nicht nur ein gigantischer Erfolg wird, sondern auch ein soziokulturelles Phänomen, das bis heute nachwirkt. Mittendrin Fisher, die zwischen Helden, Schurken, Robotern und galaktischen Fabelwesen eine zwar zentrale, aber schauspielerisch undankbare Rolle hat. Sie ist letztlich Deko, „Krieg der Sterne“-Erfinder George Lucas weiß erst mal nicht so viel mit der Figur anzufangen.

„Star Wars“ wurde ein Erfolg - Fisher erntete Spott

Fisher muss trotz des immensen Kino-Erfolgs mit bemerkenswert viel Spott zurechtkommen. Angefangen bei der Frisur, die aussieht, als hätte man ihr zwei Rosinenschnecken an den Kopf getackert, bis hin zu ihrem Gewicht: Rückblickend ist es unfassbar, welcher Sexismus sich damals offen entlud. In der Folge nimmt Fisher radikal ab und tritt im letzten Teil der Trilogie, 1983, in einem außerordentlich textilarmen Kostüm auf. Furchtbar viel mehr zu tun, als hübsch auszusehen, hat sie im Grunde auch nicht. Außer natürlich Harrison Ford anzuschmachten, in den sich die Schauspielerin tatsächlich verknallt und mit dem sie eine Affäre beginnt.

Sie hatte kaum eine Chance im Haifischbecken Hollywood

Sie dreht auch nach „Star Wars“ Filme, geradezu manisch sogar, aber ähnlich wie bei Co-Star Mark Hamill, der Luke Skywalker spielt, erweist sich der „Star Wars“-Ruhm als Mühlstein, der sie immer wieder nach unten zieht. Sie versucht, sich zu behaupten im Haifischbecken Hollywood, hat aber keine Chance: Sie ist zu ehrlich, zu klug, zu sensibel, um dem Druck standzuhalten.

Sie war die „Prinzessin Leia“: Bilder aus Carrie Fishers (†60) Leben

Fisher ist die Tochter eines Glamourpaares

Vereint nach 32 Jahren: In „Das Erwachen der Macht“ (2015) konnte Han Solo (Harrison Ford) seine Leia (Carrie Fisher) wieder in die Arme schließen. 

Dabei stammt sie aus einer Showbusiness-Dynastie und kennt das Spiel. Im Jahr 1956 kommt sie als Tochter des Sängers Eddie Fisher und der Schauspielerin Debbie Reynolds – seinerzeit ein Glamourpaar – zur Welt und lernt das Geschäft von Grund auf. Vielleicht rührt gerade daher ihre stets spürbare Skepsis gegenüber dem eigenen Berufsstand. „Es konnte für mich nur bergab gehen mit diesen berühmten Eltern“, sagt Fisher einmal. Dabei ist sie eine gute Schauspielerin und begnadete Komödiantin, wie sie in vielen oft hinreißenden Gastauftritten beweist – etwa in Kultfilmen wie „Blues Brothers“ oder „Harry und Sally“. Aber das sind eben nur Nebenrollen. Fisher beginnt zu trinken, Drogen zu nehmen, Popstars zu heiraten und sich mit fast schon beeindruckender Hingabe selber zu sabotieren. Die früh diagnostizierte bipolare Persönlichkeitsstörung ignoriert sie lange, was die Sache nicht besser macht. „Die Welt einer Manisch-Depressiven ist eine Welt voll schlechter Entscheidungen“, fasst sie lakonisch zusammen.

Ihre Leidenschaft war das Schreiben

Fishers eigentliche Leidenschaft ist das Schreiben, sie verfasst unter anderem das autobiografische Drehbuch zur Satire „Grüße aus Hollywood“, das mit Shirley MacLaine und Meryl Streep verfilmt wird. Sie würde die Schriftstellerei gerne intensivieren, aber Drogen- und Alkohol-Aussetzer stehen ihr im Weg. Und ihre spitze Zunge. Fishers Humor tut weh, weil sie Wahrheiten ausspricht – mit zunehmend rauchiger Stimme, die man sich mühsam ertrinken muss. Was soll man sagen über eine Frau, die ihre Autobiografie „Wishful Drinking“ nennt? Das ist brillant.

Der Tod, das gehört zu seinem Berufsprofil, kommt immer zur Unzeit. Im Fall von Carrie Fisher, die an den Folgen eines Herzinfarkts starb, sucht man nach einer Steigerungsform von „Unzeit“. 2015 ist die Frau mit „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen und hat ihre Dämonen, soweit man das beurteilen kann, im Griff – gestern musste sie gehen. Auf dem Sprung von der Prinzessin zur Königin gewissermaßen.

Zoran Gojic

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