Der Traum von einem Leben außerhalb der Norm

- Es war kein Ende, wie man es sich wünscht. Aber es war ein Ende, das sich einpasste wie ein Puzzlestück in ein Leben voller Tragödien. Francis Scott und Zelda Fitzgerald - ihre Geschichte ist dennoch nicht nur die zweier Scheiternder. Sondern auch die zweier Liebender. Und zweier Schreibender.

Zelda Sayre, die Tochter eines Richters aus Alabama, ist das, was man eine Südstaatenschönheit nannte. Scott ist sofort fasziniert von ihr, als er sie 1920 auf einem Ball trifft, sieht, wie sie tanzt, umschwärmt von jungen Offizieren. Zelda vermutet in der Begegnung mit Scott etwas Schicksalhaftes. In einem ihrer vielen Briefe an den Geliebten schreibt sie:

"Glaubst du nicht, dass ich für dich gemacht bin? Mir ist, als hättest du mich bestellt, und ich bin dir zugesandt worden, um von dir getragen zu werden." Es reizt Zelda, dass ihr Auserwählter, wie er immer wieder beteuert, bald Bestseller-Autor werden sollte. Nicht des Geldes wegen, sondern weil sie sich von einem Leben außerhalb der Norm träumt, von Aufregung und Trubel. Scott schreibt Tag und Nacht, wie ein Besessener, doch der Ruhm will sich nicht einstellen. Enttäuscht löst Zelda die Beziehung. Nur wenige Wochen später erscheint Scotts erster Roman, "Diesseits vom Paradies". Über Nacht wird er zum gefeierten Schriftsteller. Zelda zögert keine Sekunde. Sie kehrt zurück, acht Tage später heiraten die beiden. Jahre danach wird Scott sagen: "Ich habe die Heldin meiner Romane geheiratet." Zelda, die sich zunächst geschmeichelt fühlt, quält jedoch bald, dass jeder sie in Scotts Hauptfiguren wieder erkennt: "Er hat die Mädchen oft so abscheulich gemacht." Die Fitzgeralds ziehen nach New York, später quer durch Europa. Überall, wo es auftaucht, sorgt das Paar für Furore. Man feiert extravagante Partys, wohnt in luxuriösen Hotels, leistet sich Kostspieliges. Scott schreibt inzwischen an "Die Schönen und Verdammten", seinem zweiten Roman. Nicht zum letzten Mal lässt er sich vor allem von seiner exaltierten Frau, von ihren Tagebüchern und Briefen inspirieren. Einem Freund gegenüber gibt er zu: "Meine Geschichten basieren ausschließlich auf Zeldas Ideen."

Auch Zelda schreibt, unter anderem Kurzgeschichten und Artikel für Wochenmagazine. Doch sie schafft es nicht, aus dem Schatten ihres erfolgreichen Mannes herauszutreten. Vor allem deshalb nicht, weil ihre Geschichten fast ausschließlich unter seinem Namen veröffentlicht werden. Scott begründet das damit, dass die Verlage für seinen Namen mehr zahlen würden. Tatsächlich ist sein Marktwert hoch: In seiner Glanzzeit bekommt Scott für eine "Short Story" ein Honorar, das drei Jahresgehältern eines Arbeiters entspricht.

"Ich kann sie als schreibende Konkurrenz nicht ertragen."

F. C. Fitzgerald

Mitte der 20er-Jahre schwindet der Erfolg, das Paar kämpft mit Geldproblemen, in der Ehe kriselt es stark. Zelda sucht Ablenkung im Tanz, macht eine Ballettausbildung. Scott spült seinen Kummer mit Alkohol herunter. "Mr. F. Scott (oder Scotch) Fitzgerald - die Fassade beginnt zu bröckeln", spottet man in den Zeitungen. In Paris schreibt Scott 1925 binnen fünf Monaten "Der große Gatsby". Vorbild für die scheiternde Hauptfigur ist sein eigener, desaströser Lebensstil. Der Roman, der 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow verfilmt werden sollte, verkauft sich zu Scotts Lebzeiten jedoch schlecht.

Zeldas erste Versuche, einen Roman zu schreiben, machen Scott wütend: "Ich liebe Zelda, aber ich kann sie als schreibende Konkurrenz nicht ertragen. Und doch, 1930 wird Zeldas autobiografischer Roman "Schenk mir den Walzer" veröffentlicht. Es werden 1392 Exemplare verkauft, eine Tatsache, die Scott versöhnlich stimmt: "Zelda ist nur eine drittklassige Schriftstellerin." Kurz darauf erleidet Zelda einen Nervenzusammenbruch, es folgen mehrere Sanatoriumsaufenthalte. Die Diagnose: Schizophrenie. "Vielleicht wäre sie ein Genie geworden, wenn sie mir nie begegnet wäre", sagt Scott.

Die Ehe scheitert. Nachdem 1934 sein letzter vollendeter Roman, "Zärtlich ist die Nacht", ein Misserfolg wird, nehmen seine Alkoholexzesse zu. Scott endet als Lohnschreiber in Hollywood. 1940 erleidet er einen Herzinfarkt und stirbt im Alter von 44 Jahren. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitet Scott an dem Roman "Der letzte Tycoon" - eine Abrechnung mit Hollywood. Zelda überlebt ihn um acht Jahre. Sie stirbt bei einem Brand in einer Nervenklinik. Zeldas Leiche kann nur anhand ihres Schmucks identifiziert werden, eines Diamantrings mit der Gravur: "Forever Scott".

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