Der Traum des Ikarus

Tollwood: - Mit einer spektakulären Akrobatik-Aktion startete das Münchner Tollwood-Festival. Die Grupo Puja zeigte ein Luftballett in 50 Metern Höhe.

Ein gut gelaunter Wettergott lieferte die Traum-Naturkulisse: hingetuscht über einen Abendhimmel eine große graublaue Wolke. Davor, in 50 Metern Höhe, acht "Astronauten" in schwebend tänzerischer Bewegung an ihrem Satelliten. Mit der Grupo Puja ist Münchens Tollwood-Festival (bis 8. 7.), ohnehin grenzensprengend bis hinein ins engagierte Bio- und Umweltschutzbewusstsein, jetzt in der dritten Dimension angekommen.

Die "Pujas", seit 1998 auf choreographierten Höhenflug spezialisiert, müssen mindestens so schwindelfrei sein wie die Mohawk-Indianer, die bei Wolkenkratzer-Bauten über T-Träger gehen, wie unsereiner auf dem Bürgersteig. Denn ihr Luftballett "K@osmos" übertrifft jede Trapez-Artistik und jedes Bungee-Springen.

Seit 2002 ist die argentinisch-spanische Gruppe d i e Attraktion auf Festivals rund um den Globus. Das Tourneegepäck allerdings muss einiges wiegen: der Hebekran, der die tollkühnen Männer und Frauen (!) hochhievt und oben auch noch hin- und herschwenkt. Während unten eine Band grelle Atmo-Klänge über das Festivalgelände orgelt, schweben die "Pujas" himmelwärts, zunächst an langen Seilen, dann mit ihrer "Bola", einer aus Stahlringen gefertigten offenen Kugel - in der sie sich auch einmal wie in einem Science-Fiction-Fahrstuhl alle acht stehend zusammendrängen.

Aber sonst sind sie immer in bewegter akrobatischer Aktion: Hand in Hand machen sie den flachen Fallschirmspringer Stern, an- und ineinander gehakt formen sie die DNA-Doppelhelix-Struktur nach. An die Bola geschmiegt, bilden sie wild kreisende Rosetten und Kränze oder beugen sich weit aus dem Gestänge heraus zu allen möglichen Waghals-Figuren. Für uns Erdameisen unten wirken sie wie surreale Weltraumstation-Reparateure. Für die oben ist Ikarus‘ Traum vom Fliegen in Erfüllung gegangen.

>> Bildergalerie mit ersten Tollwood-Impressionen bei Munich online

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