Der Traum von der Komödie

- Es ist die letzte Premiere der Münchner Kammerspiele in der Jutierhalle. Der Spielort muss aufgrund der finanziellen Verhältnisse der Stadt München aufgegeben werden. Das ist bedauerlich, denn die Zuschauer lieben ihn und die Schauspieler ebenfalls. So auch René´ Dumont. Mit "Schlachten" - darin noch als Königskind in kurzen Hosen - hat er ihn sich erobert, und als Pylades und Satyrspieler in der "Orestie" behauptet er sich in diesem Raum. Am morgigen Samstag nun steht er in der Münchner Erstaufführung von Rainald Goetz' "Heiliger Krieg" als Heidegger in vorderster Spielerfront. Regie führt Lars-Ole Walburg, die Bühne ist von Barbara Ehnes.

<P>Heidegger - eine interessante Rolle? Ja, das habe er zuerst auch gehofft und geglaubt, es könnte so in Richtung Naziphilosoph oder Haider gehen. René´ Dumont: "Aber das ist gar nicht drin. Das ist nurmehr eine Art Namedropping, so, wie sich Intellektuelle vor zwei Jahren etwa mit Ernst Jünger geschmückt haben."<BR><BR>Rainald Goetz, der in Medizin und Geschichte promovierte Schriftsteller, der mit diesem Stück erstmals in seiner Heimatstadt München aufgeführt wird, hat "Heiliger Krieg" bereits 1986 geschrieben. Und die Kraftmeierei, die  in diesem  Text liegt, ist nicht zu überhören. Es ist der erste Teil seiner Trilogie "Krieg". Womit nicht jener Krieg zwischen Völkern, sondern symbolisch der innerhalb einer Gesellschaft gemeint ist. Was Goetz hier bietet, ist eine Art Revue, zusammengesetzt aus Pamphleten, Aufmärschen, Chören und Monologen.<BR><BR>René´ Dumont: "Das Stück hat keine Handlung. Es ist eine Zustandsbeschreibung einer Bürgerwelt, die am Ende dafür bezahlen muss, dass sie alles beim Alten belassen hat." Und weil es keine Handlung gibt, dauert die Aufführung auch nur zwei pausenlose Stunden. "Länger ließe sich das gar nicht aushalten." Aber in dieser Zeit, so der Schauspieler, gebe es viel zu sehen und noch mehr zu assoziieren. "Ich hoffe, dass wir uns nicht in Allgemeinplätzen bewegen, wenn es auch natürlich welche sind, aber die sollten wir zumindest griffig machen." Zum Beispiel durchs Bühnenbild, das den mit Werbeplakaten tapezierten Innenraum einer Kirche zeigt.<BR><BR>René´ Dumont liebt diese in gewissem Sinne unsicheren Abende; das Abenteuer der jeweiligen Vorstellung. Etwa der "Orestie", wo er mit einer tolldreisten Bush-Rumsfeld-Struck-Nummer sozusagen das Satyrspiel zur Tragödie liefert. Natürlich müssten sie dabei immer auf der Hut sein und, sofern nötig, aktuell ändern. Und wenn diese Aufführung ab 1. März erneut auf dem Programm steht, kann es im Falle eines Krieges passieren, dass sich diese Einlage von selbst verbiete.<BR><BR>Ob Dumont früher schon als Kabarettist aktiv war? "Nein. Ehrlich gesagt, kann ich Kabarett nicht leiden. Hier spiele ich es nur, weil ich es in diesem Fall richtig finde und weil ich die Provokation mag. Es geht ja gar nicht darum, dass alles toll und perfekt ist. Es geht vielmehr um das Erlebnis - sowohl der Schauspieler, damit sie sich nicht schon am zweiten Abend in ihrer eigenen Aufführung langweilen, als auch der Zuschauer." Das, glaubt René´ Dumont, sei eine Voraussetzung für eine gelungene Produktion. Die andere ist: "Ein demütiges Ensemble. Wenn die Demut stimmt, wird das ein guter Abend."<BR><BR>Heftiges Bedauern über den Verlust der Jutierhalle. Große Freude über die Aussicht, bald im renovierten Schauspielhaus spielen zu dürfen. Denn irgendwie strahlt es auf René´ Dumont eine Magie aus. Der gebürtige Mannheimer, der am Salzburger Mozarteum das Schauspielstudium absolviert hat, war zu Studentenzeiten oft in München: "Früher habe ich immer vor der Bühne gesessen, Peter Lühr und Klaus Schwarzkopf bewundert und mir gesagt: Das ist großes Theater."<BR>Überhaupt war München für ihn, als er zusammen mit Frank Baumbauer 2001 aus Hamburg an die Kammerspiele kam, kein fremdes Terrain. Anfang der Neunziger war René´ Dumont hier schon einmal engagiert - am Theater der Jugend.<BR><BR>Längst spielt der 37-Jährige die erwachsenen Rollen, allmählich sollten es auch die richtig interessanten Männer der Theaterliteratur werden. Wen er sich, wenn er könnte, aussuchen würde? "Da bei uns viele Stücke projektmäßig realisiert werden, lässt sich das von vornherein gar nicht sagen." Dennoch ist der sehr ernst und klug wirkende René´ Dumont - "Schauspielerei ist keine Frage, wie viel Talent einer hat, sondern wie er mit dem umgeht, das er hat" - nicht ganz bedürfnislos:<BR><BR>"Ich würde mir mal eine Komödie wünschen. Am liebsten die Franzosen, Labiche oder Moliè`re. Es geht doch bei uns auf der Bühne teilweise recht spröde zu. Ich finde es ja richtig, dass wir politisches Theater machen, aber ich wünschte es mir etwas lustbetonter und sinnlicher."<BR><BR></P>

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