Traumspiel im Märchenwald

- Kinderträume. Wie hören sie sich an, wie sehen sie aus? Und vor allem: Wie lassen sie sich auf der Bühne zeigen? Der Komponist Wilfried Hiller und sein Librettist Rudolf Herfurtner haben einen Versuch unternommen: Am kommenden Samstag wird ihre Kinderoper "Pinocchio. Ein italienischer Traum in zwölf Bildern" im Münchner Prinzregententheater uraufgeführt. Dirigent ist Werner Seitzer.

<P>Silvester 1999 habe er angefangen zu komponieren, erzählt Hiller. Abgeschlossen wurde das Werk in diesen Tagen. "Wir wollten die Proben abwarten", sagt er. Erst dann sollte ein ironischer Zusatz als zweites Finale entstehen. Komponist und Librettist haben im Wechsel gearbeitet. Zum Teil gab Hiller die Melodien vor, zum Teil schrieb Herfurtner zuerst den Text. </P><P>Was ist nun entstanden aus Carlo Collodis Fortsetzungsroman von 1881 mit seinen 36 Kapiteln? Was haben Hiller und Herfurtner aus der Geschichte mit der "schwarzen Pädagogik" um die Holzpuppe herausgezogen? "Wir möchten die Kinder da abholen, wo sie sind", sagt Herfurtner. Das, was sich ursprünglich an die Straßenkinder in Florenz richtete, muss sich an den heute 8- bis 14-Jährigen orientieren.</P><P>Die 36 Kapitel wurden für das 90-minütige Stück auf zwölf Bilder reduziert, davon ein Prolog und ein Epilog. Die wichtigen Figuren blieben, auch die Chronologie. In die Oper hinein führt eine Identifikationsfigur, der Junge Carlo. Er erlebt die Geschichte Pinocchios als Traum. Oder Albtraum, denn verniedlichen wollten Librettist und Komponist die Geschichte nicht.<BR>Die Musik, so Hiller, hüllt sich in italienische Atmosphäre mit mediterranen Melodien, sogar mit einem Abzählreim aus Collodis Zeit. Es dominieren kurze Formen, die Übergänge vom Sprechen zum Singen sind oft abrupt. Integriert in seine Kompositionen hat Hiller moderne Rhythmen wie zum Beispiel den Hip-Hop. So trägt auch die Musik der Zielgruppe Rechnung.</P><P>Die Regie hat Markus Hertel, szenischer Leiter des Studiengangs Gesang an der Theaterakademie, übernommen. Er will mit theatralischem Zauber sein Publikum einfangen. Bühnenbildner Hannes Neumaier hat ihm dazu einen Traumwald erfunden, der während der Inszenierung immer neue Gassen öffnet. </P><P>Die Oper, so betont Hellmuth Matiasek, Präsident der Theaterakademie, sei eine studiengangübergreifende Produktion: Beispielsweise alterniert Sarah Schütz vom Musicalstudiengang in der Titelrolle mit Beate von Hahn, die Puppen werden vom Ausbildungsgang Figurentheater geführt, Maskenbildner und Schauspieler der Akademie sind ebenfalls vertreten.</P><P>Hiller und Herfurtner _ dieses Münchner Duo hat bereits die Opern "Waldkinder" und "Eduard auf dem Seil" geschaffen. Gerade mit seinen Kinderstücken wie "Traumfresserchen" feierte der Komponist seine größten Erfolge, der Autor ist für seine Kinder- und Jugendliteratur mehrfach ausgezeichnet. Die Premiere am Samstag wird nun zeigen, ob sich ihre Opernfassung des Kindermärchens bewährt. "Ich habe ein gutes Gefühl", sinniert Hiller.<BR></P><P>Premiere 12. Oktober, 18 Uhr, weitere Vorstellungen am 13., 15., 22., 26. Oktober, Karten 8 bis 23 Euro, Kinder bis 14 Jahre 8 Euro, Tageskasse: 089/ 2185-1920.<BR><BR><BR></P>

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