Traumwelten aus dem Wasserspeier

- Das Vorprogramm war einzigartig: Bevor der Film im Gloria-Palast am Stachus begann, versetzten erst die tanzenden Fontänen das Publikum in freudige Erwartung. Farbige Wasserspiele im Kino: Das entsprach dem Stil der 50er-Jahre, als der Besuch im Lichtspielhaus noch einen Schimmer von Luxus versprach. Die Hauptrolle in dieser Nachkriegsfilmwelt aus Träumen, Glanz und Stars spielte Ilse Kubaschewski. Die "Kuba", wie sie genannt wurde, erfand den deutschen Heimatfilm, war Produzentin und Filmverleiherin, Bauherrin des Gloria-Kinos und überhaupt die Grande Dame des deutschen Nachkriegskinos.

Wenige hundert Meter vom Gloria-Palast entfernt, erinnert jetzt eine Ausstellung an die "Kuba". Am 18. August würde sie 100 Jahre alt werden; das Bayerische Wirtschaftsarchiv präsentiert aus diesem Anlass in der Industrie- und Handelskammer Bilder aus ihrem Nachlass, bisher nie gezeigte Privat-Fotos und Plakate, die die Ilse-Kubaschewski-Stiftung dem Archiv überlassen hat, und erzählt chronologisch vom Leben der mächtigen Filmproduzentin.

Nachdem sie in den 30er-Jahren das Filmgeschäft in Berlin kennengelernt hatte, eröffnete sie zusammen mit Luggi Waldleitner ein eigenes Kino in Oberstdorf. 1949 dann legte sie in einem Keller der Münchner Sonnenstraße den Grundstein für ihr zukünftiges Kino-Imperium: Der Gloria-Film-Verleih entstand. "Grün ist die Heide" brach 1951 alle Kassenrekorde. 18 Millionen Zuschauer ließen sich vom Heimatfilm aus dem bitteren Nachkriegsalltag zaubern ­ die Zahl ist bis heute unübertroffen. Später kamen die "Trapp-Familie" oder Gründgens‘ "Faust". Auch Filmkunst förderte die millionenschwere Kubaschewski und brachte etwa Fellinis "La dolce vita" ins deutsche Kino.

Die Fotos in der Ausstellung ­ treffend "Die Traumfabrikantin" betitelt ­ erzählen jedoch nicht nur von den Filmen, sondern sind vor allem Spiegel des gesellschaftlichen Lebens der 50er- und 60er-Jahre. Die "Kuba" war der Stern, um den sich alles drehte. Bei ihren Filmbällen hielt sie Hof, und wenn die "Kuba" rief, kamen sie alle: Horst Buchholz, Blacky Fuchsberger, Paul Hörbiger, Romy Schneider, Heinz Rühmann, Winnie Markus und Rudolf Prack. Auch einen kleinen Schatz hat Ausstellungsleiterin Eva Moser gehoben. In einem rund siebenminütigen Film ­ wohl nur zum privaten Gebrauch von Kubaschewski entstanden ­ treten all die Stars auf einem Ball im Bayerischen Hof auf, geben Küsschen, tanzen über das Parkett oder verschlucken sich am Champagner.

Bis 30. März, Mo.-Do. 8-18, Freitag 8-16 Uhr, Max-Joseph-Str. 2, Eintritt frei.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare