Trauriger Osten

- Honeckers verlorene Kinder. Mit dem Stück "Zeit zu lieben Zeit zu sterben" lebt sich der dritte Jahrgang der Münchner Otto-Falckenberg-Schule ein in jene Epoche, die längst vergangen, aber dennoch kein Klassiker ist. Es sind die 70er- und 80er-Jahre der DDR. Schauplatz: der wilde, traurige Osten Berlins, in dem die Jugendlichen zwischen Anarchie und Angepasstheit, zwischen Suff und Sex ihre pubertären Träume leben. Der einzige gemeinsame Nenner dieser etwa 15- bis 20-Jährigen ist die Liebe. Die kollektive Tristesse des Sozialismus und seine fröhlichen Nischen.

<P>Ein Lebensgefühl, das von den neun Schauspielstudenten sehr echt und wahr umgesetzt wird, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Probleme des Erwachsenwerdens, wenn auch unter anderen gesellschaftlichen Vorzeichen, doch immer und überall die gleichen sind. Autor des Stücks ist Fritz Kater - ein Pseudonym für den Regisseur Armin Petras. Frei nach Motiven des Films "Time stands still" von Peter Gothar hat er in einem offenbar autobiografischen Rausch sich die Szenen seiner Jugend von der Seele geschrieben. Und Regisseur Peter Kastenmüller hat sie mit erstaunlicher Tiefenkenntnis und Sinn für die groteske Realität jener Zeit szenisch sehr wirkungsvoll umgesetzt. Es lebe, dem Thema gemäß, auch in der Inszenierung das Kollektiv. Da wird im Chor gesprochen, geliebt und gelitten. Der Ausbruch in den Individualismus endet in den Salven eines Maschinengewehrs.</P><P>Unter den Darstellern gibt es keinen, der herausragen würde. Alle spielen auf gleichem künstlerischen Niveau: Dorothea Lata, Eva-Maria Pichler, Melanie von Sass, Lilly Marie Tschörtner, Maximilian Brückner, Johannes Klama, Benjamin Mährlein, Johannes Suhm, Tobias Vandieken.</P><P>Von ganz besonderem Reiz: die aus Umzugskartons gebaute Bühne (Michael Graessner) als Zeichen der Unbehaustheit. Insgesamt zwei flotte Theaterstunden, hautnah und jung, allerdings um ein paar lange Minuten zu geschwätzig.</P><P>Sabine Dultz<BR><BR>Nächste Vorstellungen: 6., 7., 12. November, Tel. 089/ 233 370 82, Dachauer Straße 114.</P>

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