Das Tritychon ist von Fancis Bacon und heißt "Kreuzigung" (1965).

PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne

Treppe hinauf zur Qualität

München - Der Verein „PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne“ wird 50 und nicht nur mit einer Schau gewürdigt.

Von Die Pinakothek der Moderne rollt dem Verein „PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne“ zwar keinen roten Teppich zum 50. aus – legt ihm dafür aber eine der riesigen Treppen des Baus zu Füßen. Jeder Besucher, der die Stufen hinansteigt, muss hinschauen auf den Namen des Jubilars und auf die Namen vieler Künstler: von Carl Andre bis Terry Winters. Damit ist klar, dass PIN. mit seinen 800 Mitgliedern und der jährlich gut einen Million Euro Geldspritze nicht nur hilft, viele Werke anzukaufen, viele Ausstellungen zu verwirklichen, sondern für das Museum tatsächlich so etwas wie eine Treppe ist: hinauf zu einer besseren, weiter gespannten Qualität.

Genau das war einst der „Wunsch eines visionären Mannes“, wie es Katharina von Perfall vom Vereinsvorstand formuliert. Jener war Halldor Soehner, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen – und unglücklich, dass die große moderne Kunst immer noch ausgebremst wurde (sogar Picasso). Für ihn wurden Herzog Franz von Bayern, Walter Bareiss und eben der 1965 gegründete Galerie-Verein zu Rettern. Und für uns heutige Museumsgenießer letztlich auch. Das „trotzige Dennoch zur offiziellen Sammlungspolitik“ ist längst Geschichte. PIN. und die staatlichen Institutionen arbeiten fruchtbar zusammen. Auch, was Vermittlung, Werbung, Initiativen, Sponsorensuche und Ähnliches angeht. Dabei ist PIN. öfter ein durchaus schöpferischer Anschub-Geber.

Mit einer Großtat gleich zu Beginn der Aktivitäten Mitte der Sechzigerjahre – damals eben noch des Galerie-Vereins – bewies der spätere PIN. e.V. sein Format und seinen guten Riecher: Der Freundeskreis kaufte 1967 Francis Bacons grandioses, tief ins Herz treffendes Triptychon „Kreuzigung“ (1965). Jetzt mahnt sie in der Schau „GegenKunst“ zusammen mit Max Beckmanns „Versuchung“ die Freiheit der Kunst an, die sich dort gegen NS-Propagandakünstelei stemmt – und daher gegen Gewalt an Menschen jeglicher Art.

Die mäzenatischen Kunstnarrischen erwarben im Laufe der folgenden 50 Jahre Werke von Paul Klee und Joseph Beuys, Wassily Kandinsky und Pipilotti Rist, Georg Baselitz und Katharina Gaenssler; oder unterstützten Ankäufe. Über 1100 Arbeiten kamen bis heute zusammen. Kein Wunder also, dass die Pinakothek der Moderne ab jetzt PIN. mit diversen Veranstaltung hochleben lässt. Zumal die vier Institutionen der Pinakothek der Moderne (PDM) – Sammlung Moderne Kunst, Architekturmuseum, Staatliche Graphische Sammlung und Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich – sowie außerdem das Museum Brandhorst mittlerweile ebenfalls Hilfe erfahren.

Der Gratulationsreigen beginnt jetzt mit einem üppigen Buch, das den Fünfzigjährigen unter dem Titel „PIN. A Perfect Match seit 1965“ porträtiert und damit zugleich Münchner und bayerische Kunstgeschichte von 1965 bis in die Gegenwart. Klassiker von heute wie Beuys’ Installation „Das Ende des 20. Jahrhunderts“ (1983), noch eingerichtet für die Staatsgalerie Moderner Kunst im Westflügel des Hauses der Kunst, waren damals Aufreger-Ereignisse. Fortgeführt wird der Reigen mit einer Art Ausstellung in der Pinakothek der Moderne. Gerade die neueren Erwerbungen – ob Videos von 1998, ob Fotokunst von 2012 oder ob Malerei von 2013 – werden im östlichen Teil des PDM-Obergeschosses fast als geschlossene Präsentation vorgestellt. Im westlichen Teil mit seinen Großkünstlern zwischen Expressionismus und dem Beuys-Fanal sind die PIN.-Schätze stärker in die Dauerausstellung eingelassen. Eine dezent rötliche Beschriftung hebt die Werke hervor, teils auch die Hängung. Paul Klees wundersame Zusammenführung von Pointillismus und Konstruktivismus namens „Das Licht und Etliches“ (1931) empfängt die Besucher gleich im oberen Foyer.

Gerade in den dortigen Sälen sind viele erhellende – auch neue – Kombinationen zustande gekommen. Da fallen beispielsweise Fotografien von Anselm Kiefer auf, die eine Installation in einem Stall zeigen. Erde, Getreide, Wasser, Schlamm sowie Stühle und Seile, die an ein Hinrichtungsszenario erinnern, wurden kombiniert mit Tadeusz Kantors leibhaftig vorhandenen, ebenfalls ein wenig theaterhaften Installation „Die tote Klasse“ (1975) aus lebensgroßen Puppen und alten Schulbänken. Eine große Freude beim Rundgang durch die PDM sind die Wiederentdeckungen, die durch die PIN.-Würdigung möglich wurden. Etwa Günther Förgs „Capri“-Serie (1989), die einen ganzen Raum bespielt. Mit einem Spiegel und gleichgroßen Riesenfotos, aus dem dunklen Innenraum durch das Fenster gemacht, unterläuft der Künstler Tourismus-Heile-Welt, fängt dennoch den Zauber der Insel ein und leitet den Betrachter an, sich als Teil dieser Inszenierung zu erkennen.

Die Wiederentdeckungen gehen im Herbst weiter. Die Graphische Sammlung wird ihre Hommage-Ausstellung an den PIN.-Verein am 29. Oktober eröffnen.

Simone Dattenberger

Bis Frühjahr 2016,

täglich außer Mo. 10–18 Uhr; Buch, erhältlich im Museumsladen: 29,80 Euro.

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