Vom Triangel-Einsatz zum Paukenschlag

- Wenn die Münchner Philharmoniker am kommenden Samstag (19 Uhr im Gasteig), dirigiert von Daniele Gatti, zum Karfreitagszauber aus Wagners "Parsifal" und Mahlers Neunter einladen, dann haben sie einen Hintergedanken: Sie musizieren diesmal nicht nur für ihr Publikum, sondern vor allem für ihre Orchesterakademie. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Münchner Philharmoniker, die 1997 eine Orchesterakademie für besonders begabte Nachwuchsmusiker gründete, wird sich über den Erlös dieses Benefizkonzertes freuen.

<P>Jährlich sind 172 800 Euro fällig, um den 18 Stipendiaten der Akademie das Leben im teuren München zu erleichtern. 800 Euro pro Jungmusiker im Monat, das ist nicht viel. "Doch wenn noch einige Mucken (kleine Konzert-Auftritte) dazukommen und man sparsam mit dem Geld umgeht, reicht es", versichert Nayon Han. Die 26-jährige Südkoreanerin gehört seit September 2003 zu den Auserwählten und berichtet begeistert von der Zusammenarbeit mit ihrem Lehrer Michael Hell, Solocellist bei den Philharmonikern.</P><P>"Er unterrichtet mich wöchentlich, und ich habe von ihm unglaublich viel über klangliche Dinge gelernt. Die wenigen Orchesterproben vor einem Konzert sind eine bessere Übung für das Berufsmusikerleben als dreiwöchige Probenphasen in einem Jugendorchester." Demnächst darf die Cellistin den Ernstfall trainieren: das Probespiel. Christian Fausch, bei den Philharmonikern zuständig für die Akademie, erläutert: "Wir simulieren ein echtes Probespiel mit den Orchestermusikern im  Parkett und den Stipendiaten hinter einem Vorhang auf der Bühne. Anhand eines Videos wird alles hinterher beurteilt."</P><P>Benefizkonzert am kommenden Samstag</P><P>Neben dem Einzelunterricht für die 18 Jungmusiker (je zwei Streicher, je ein Holz- und Blechbläser und ein Schlagzeuger) stehen in zwei Monaten bis zu drei Konzertprojekte auf dem Ausbildungsprogramm. Die Live-Auftritte unter renommierten Dirigenten sind natürlich die Highlights. Bei Tutti-Streichern ist das Risiko eines Patzers vergleichsweise gering. Doch wie sieht es bei einem Schlagzeuger aus?</P><P>Guido Rückel, Solopauker der Philharmoniker, reagiert gelassen: "Zunächst muss man den jungen Musikern einfach Zeit lassen. Dann arbeiten sie sich rasch ein und wachsen von leichten unauffälligen Triangel-Einsätzen zu solistischen Aufgaben heran. Die regelmäßige Praxis ist wichtig, und der Tutor sollte ständiger Ansprechpartner sein." Sein Erfolg gibt ihm recht: Ein Student wanderte schon nach neun Monaten ins Engagement an die Deutsche Oper Berlin.</P><P>Die Akademie wird zu 100 Prozent von der Gesellschaft der Freunde finanziert. Ihr neuer Vorsitzender, Wilhelm Simson (Vorstandsvorsitzender bei E.ON) hat sich den Erhalt der "Qualität und Zukunftssicherung für den Nachwuchs" auf die Fahnen geschrieben. Er wirbt nicht nur um große Mäzene aus der Wirtschaft, sondern auch um kleine Freunde (70 Euro) und Förderer (600 Euro). Sogar Zubin Mehta gehört zu den Gönnern; er spendierte schon mehrfach seine Gagen für die Akademie. Musikfreunde können die Stipendiaten auch für Privatkonzerte buchen (Tel. 089/ 480 98 55 02) und am Samstag vor dem Benefizkonzert (Karten unter 089/ 54 81 81 81) ab 18 Uhr im Gasteig-Foyer probehören.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maler Karl Otto Götz ist tot
Er galt als Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit: Karl Götz. Der Maler ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Maler Karl Otto Götz ist tot
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen

Kommentare