Triathlon statt Tod

- Väter degenerieren zu hypersensiblen "Kuschelpapas", Streber sind sowieso seit spätestens 1968 geächtet, und in der Regierung sitzen Hans Eichel, Manfred Stolpe und Edelgard Bulmahn. "Was ist los in Deutschland?", fragt sich und sein Publikum in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft nun auch Frank Lüdecke besorgt. Hat aber gleich eine schöne Parole parat: "Elite für alle!" Dass das ein bisschen wie "Freibier für alle!" klingt, ist kein Zufall, in dieser pseudo-genialen "Lösung" schwingt schon die ganze Vergeblichkeit allen fröhlichen Bemühens mit.

<P>Schwarz ist die Zukunft, die, "Entschuljen Se ma bitte", der (West-)Berliner dem Land prophezeit. Kaum noch Kinder (da assoziiert der Deutsche immer gleich "Probleme"), dafür immer mehr Alte, die "nicht zum Sterben ins Meer gehen, sondern zum Triathlon". Und, als ob das alleine noch nicht reicht - die höchsten Steuersätze, aber die niedrigsten Steuereinnahmen, Gruppenarbeit statt individueller Förderung, Heimwerkermärkte statt Arbeitsplätze. Offensichtlich, dass da etwas in die falsche Richtung läuft.<BR><BR>Lüdecke gibt genüsslich die "richtigen" Antworten, verweist aufs "Wunder von Bern" und führt fies die Tipps der vermeintlich Wissenden, der großen Bosse und der "Unternehmensberater" ad absurdum. So geht's dahin mit feinem Witz.<BR><BR>Doch weil der Begriff Elite nun schon einmal in der Welt ist - ein wenig mehr Einzigartigkeit hätte man sich schon gewünscht. Die bietet der Kabarettist mit seinen Umdichtungen populärer Schlager ("Sweet Home Sachsen-Anhalt") zum ausgesprochen virtuosen Gitarrenspiel. Hier, beispielsweise im Szenario von den aussterbenden Bundesländern, zeigt der sporadische ARD-"Scheibenwischer"-Gast die besondere Klasse, die seinem freundlichen Solo ansonsten mitunter fehlt.<BR><BR>Bis morgen, um 20 Uhr, Telefon 089/ 39 19 97.</P>

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