Tribut an Mozart

- Kürzlich brachte Chick Corea in Wien sein zweites Klavierkonzert ("The Continents") zur Uraufführung: "In the spirit of Mozart", so das Motto des Abends, auf dessen Programm zudem Mozarts Klavierkonzert in c-moll und Jazz-Improvisationen standen. Gestaltet hat Corea diesen gemeinsam mit der Bayerischen Kammerphilharmonie. Im Rahmen des Münchner Klaviersommers 2006 wird morgen, 20 Uhr, in der Münchner Philharmonie Station gemacht.

Ist Ihr Klavierkonzert ein Tribut an Mozart?

Chick Corea: In gewisser Weise ja, denn es trägt dazu bei, seinen 250. Geburtstag zu feiern. Die Einladung der Stadt Wien, es im Rahmen der Geburtstagfeierlichkeiten uraufzuführen, war für mich natürlich eine große Ehre. Schön fand ich auch, Mozarts Musik mit meinem neuen Stück zu kombinieren.

Was hat Sie auf die Idee gebracht, die Bayerische Kammerphilharmonie als Orchester für die Tour auszuwählen?

Corea: Es wurde mir von einem Freund aus der Münchner Gegend empfohlen. Dann habe ich mir von diesem Ensemble eine wundervolle CD mit Tschaikowskys Streicherserenade angehört und dachte, das könnte auch ganz gut mit meiner Musik funktionieren. Das Ensemble ist jung und sehr enthusiastisch.

Spiegeln sich in diesem Konzert Ihre Erfahrungen eines 30-jährigen Mozart-Spiels wider?

Corea: Der wirkliche Einfluss Mozarts kommt vom Geist seiner Musik, von seinem schöpferischen Genie und seiner Freude am Musikmachen. Diese Einstellung begleitet mich mein ganzes Leben.

Wenn Mozart heute leben würde: Wäre er ein Jazz-Fan?

Corea: Er würde gewiss mehr als ein Jazz-Fan sein, er würde ein Weltmusiker sein, der sämtliche musikalischen Möglichkeiten nutzt. Er wäre ein unglaublich neugieriger Künstler. Er würde auch alles spielen: Synthesizer, elektronische und akustische Musik.

Wenn Sie nach mehr als 30 Jahren Konzerterfahrung heute auf die Bühne gehen: Haben Sie da noch Lampenfieber?

Corea: Nur wenn ich vorher nicht genug geübt habe (lacht). Aber gewöhnlich spreche ich immer ein bisschen mit dem Publikum, das entspannt mich. Ich habe mehr Angst vor dem, was sich politisch tut.

Das Gespräch führte Dorothea Hußlein.

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