Tricks und andere kleine Eheverbrechen

München - Wär' schon toll, wenn man sich sein Gespons nach Jahren zwangsläufig eingespielter Routine, der Unaufrichtigkeiten und gewisser Libidoabnutzung neu backen könnte. Lisa sieht da eine Chance, als ihr Gilles durch einen Unfall das Gedächtnis verloren hat.

Geschickter Aufhänger für den bekannten französischen Autor Éric-Emmanuel Schmitt, um in die Verflixtheiten und Abgründe der legalisierten Bindung hineinzuleuchten: "Kleine Eheverbrechen", inszeniert vom ebenfalls bekannten polnischen (Film-)Regisseur Krzysztof Zanussi, ab jetzt in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof mit Eleonore Weisgerber und Peter Bongartz zu sehen.

Gilles ist gerade aus der Klinik entlassen. Alles fremd. Das soll sein Sessel sein? Und ist Lisa wirklich seine Frau? Oder gehört sie vielleicht zu "diesem Netzwerk von Witwen, die einen schwunghaften Handel mit Gedächtnisgestörten betreiben"? Und was geschah am Unfalltag? Hat er sie umbringen wollen oder sie ihn? Und ist Gilles' Amnesie echt oder nur gespielt? Will er sich insgeheim von Lisa neu erfinden lassen - als ein besserer Gilles? Damit der Zuschauer bei der Stange bleibt, zieht der Autor sein Stück gekonnt als Psychokrimi auf. Ist auch dringend notwendig, denn Schmitt hat sich in seiner tief schürfenden Beziehungsanalyse - die ganze Palette von Minderwertigkeitgefühlen bis Freiheitsdrang und Eifersucht - in die Nähe von Bergmans "Szenen einer Ehe" geschrieben; was eine Boulevardbühne nur schwer verkraftet.

Eleonore Weisgerber und Peter Bongartz machen aus den Textbrocken das Beste. Laufen schließlich, wenn das Partner-Duell seiner Auflösung entgegenstrebt, zu einer lockereren Form auf. Aber man könnte sich Schmitts sicher gelegentlich etwas traktathafte "Schule der Ehewahrheiten" doch noch etwas flotter vorstellen, mit ein bisschen mehr Körpersprache, ein paar witzigen szenischen Einfällen, mit "un peu d' esprit français". Wie soll der jedoch aufkommen, wenn Gilles in britischem Tweedjackett steckt?

Bis 8. März,

Karten: 089/ 29 16 16 33.

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