Trippel-Schwänchen

- Das freut: George Podts Theater der Jugend hat sich über die Jahre auch als Adresse für Tanztheater etabliert. Bewegtes Theater, der Hausherr der Münchner Schauburg erkannte es klug, kann für Kinder und Jugendliche oft das sprechendere sein. Und das war auf spannende Weise unlängst "Meeting Point" von Johanna Richter. Gewisse Erwartung also jetzt bei ihrer zweiten Schauburg-Co-Produktion "U Turn" (U-Kehre, Haarnadelkurve). Richter meint natürlich die im Leben manchmal notwendige Kehrtwendung. Aber bis zu diesem Knackpunkt hält sie uns ziemlich, um nicht zu sagen über Gebühr, hin mit vielen kleinen, zu Beginn rasant effektvollen Tändeleien rund um das englische "to turn"/ "drehen".

Aus der rückwärtigen Drehtür kreiseln fünf grau kostümierte Herren mit roten Knollennäschen: ein Superquintett zwischen gliederflotten Clowns, Las Vegas' legendärem, auf die eine oder andere Art ange-"turn"tem "Ratpack" und den Comedian Harmonists, die sie mit "Veronika, der Lenz ist da" in Karaoke-Manier auch hinreißend mimen. Es ist keine große Choreographie, was sie da zu US-Pop in funkigem Disco- und 40er-Jahre-Revuestil hintänzeln. Aber sie machen es hübsch, mit Körperwitz, und man findet es vergnüglich. Aber mehr ist auch nicht. Wenn Richter endlich zur Sache, zum "U-Turn", kommt, fällt ihr nichts ein, lässt sie ihre durchgehend hochqualifizierten Darsteller-Tänzer allein.

Und da macht eben jeder so sein Ding: Anise Smith, die irgendwann als pseudomysteriöse Tüllbraut in die Männerrunde eindringt, schlängelt pathetische Ports de bras in die Luft. Roland Podar, technisch gefeilt kürzlich noch im Staatsballett, flattertrippelt ein Schwänchen. Broadway-Profi Morris Perry wetzt die Musical-Kehle. Volker Michl, exzellenter zeitgenössischer Tänzer, schlenkert Beliebig-Vokabeln aufs Parkett. Die Ex-Falckenbergler Peter Ender und Tim Bergmann, zwei gestandene (TV-)Schauspieler, liefern, nolens volens, jeder seinen Hanswurst. Dazwischen lähmende Leerstellen und ein finales langes, nicht zu enträtselndes Hühnergegacker. Fast vergessen: Zum Zeichen der "U-Wende" fallen Perücke und Clownsnase.

Bis 4.2., Tel. 089/ 23 33 71 71.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maler Karl Otto Götz ist tot
Er galt als Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit: Karl Götz. Der Maler ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Maler Karl Otto Götz ist tot
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen

Kommentare