Ein Triumph des Ausdrucks

- Man solle das Stück einfach so spielen, als sei es ein Impromptu von Franz Schubert. Das empfahl der Pianist Eduard Steuermann zu einer Komposition, die soeben eine Schallmauer der abendländischen Musik durchbrochen hatte: die der Tonalität. Sie geben also in der Musikgeschichte die Premiere der Atonalität, die drei Klavierstücke op. 11 von Arnold Schönberg. Tatsächlich ein radikaler Bruch?

<P>Nicht, wenn man die Revoluzzer-Stücke so sinnvoll in Zusammenhänge stellt und so schlackenlos-konzentriert spielt wie die Pianistin Silke Avenhaus bei ihrem Klavierabend im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz: Eingebettet zwischen weitere Preziosen aus dem Dunstkreis der sich neigenden Donau-Monarchie, darunter Werke von Schönbergs Freund und Lehrer Alexander von Zemlinsky, von Johannes Brahms und dem Ungarn Zoltan Kodály, zeugten die Stücke vielmehr von einer natürlichen Kontinuität des musikalischen Erzählens von der Spätromantik bis zur Moderne. </P><P>Als wäre der Ochsenkarren aus Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung" einfach immer weiter gefahren, um schließlich und ohne viel Aufhebens in den Ostinato-Passagen des zweiten Klavierstücks op. 11 anzukommen. <BR><BR>Hier wie bei der "echten" Spätromantik ist Avenhaus aber jede plüschig-spätromantische Attitüde fremd. Bei aller Klanggewalt dominiert ein Gestus des Expressiven, Linien stehen trotz gehaltenen Pedals da wie gemeißelt, akkordische Ballungen geben Farbe dazu, ohne zu überdecken. </P><P>Ein Triumph des Ausdrucks auch in den beiden Tanz-Zyklen am Ende der Konzert-Teile: In Zemlinskys zauberhaften "12 Ländlichen Tänzen" vermählte sich Wienerische Ländler-Seligkeit perfekt mit weit ausschwingenden Jugendstil-Ornamenten, in Kodálys "Marrosszeker Tänzen" sorgten magyarische Rhythmen für steten Energie-Nachschub. Derweil in der Höhe die Melodien drüberzwitscherten wie Spatzen in der Aprilsonne. <BR></P>

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