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Der aktuelle Hausherr: Seit 2009 ist Klaus Schrenk Chef der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

10 Jahre Pinakothek der Moderne: Triumph eines Museums

München - Die Pinakothek der Moderne feiert runden Geburtstag. Bisher stampfte sie ein sagenhaftes Programm fast aus dem Nichts: 235 Ausstellungen lockten über fünf Millionen Besucher an

Eigentlich schwebten alle mindestens einen Meter über dem neuen Terrazzoboden, so groß war die Erleichterung, ja das Glücksgefühl, als endlich die Pinakothek der Moderne (PDM) eröffnet werden konnte. München feierte tagelang. Offiziell wurde das weiße Haus an Barer Straße, Gabelsberger- und Türkenstraße am 16. September 2002 eröffnet. Edmund Stoiber war Ministerpräsident und Kanzlerkandidat – er hatte lange das Projekt mit Spardiktaten behindert. Kunstminister Hans Zehetmair hatte mit der gesamten Bürgerschaft vom Normalo bis zum Großkopferten dafür gekämpft. Und Bundespräsident Johannes Rau segnete beim Happy End alles milde ab.

Ein Kulturzentrum entsteht: Die Baustelle der PDM, die Aufnahme entstand im Mai 1997.

Jetzt, zum zehnten Geburtstag, sind die Herren wie auch die Querelen mit dem Architekten Stephan Braunfels fast vergessen. Dafür pulsiert das Vier-Sparten-Haus – es hat einen wahren Triumphzug hingelegt. Das gilt für die Sammlung Moderne Kunst (von großartigen Expressionisten bis zu den Namhaften von heute), die zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehört, genauso wie für „Die Neue Sammlung – The International Design Museum“ (das weltweit größte), die hochrenommierte Staatliche Graphische Sammlung und das phänomenale Architekturmuseum der TU München. Die beiden letzteren residieren nicht in der PDM, sondern haben dort ihre festen Ausstellungsräume. Wobei: Die Grafik sollte eigentlich schon längst im zweiten Bauabschnitt der dritten Pinakothek mit Büros und Depots untergebracht sein. Ein andauerndes Versäumnis der bayerischen Politik.

Ein anderes Manko ist die extreme finanzielle und personelle Unterversorgung der Museen (die wie manches andere hier an dieser Stelle bereits mehrfach moniert wurde). Und doch haben die vier Institutionen zehn Jahre lang ein sagenhaftes Programm quasi aus dem Geld-Nichts gestampft. Zuletzt zog die spektakuläre Schau „Frauen“ mit Werken von Pablo Picasso, Max Beckmann und Willem de Kooning die Massen ins Haus. Insgesamt waren seit dem September 2002 etwa 235 Ausstellungen zu sehen. Es wurden Werke von Berühmtheiten wie Emil Nolde oder Neo Rauch präsentiert. Man erinnerte an den Architekten Sep Ruf und feierte Alessi-Design. Die alte atemberaubende Technik von chinesischen Holztempeln wurde ebenso bewundert wie die Druckgrafik von Georg Baselitz. Rund 5 071 000 Besucher kamen die zehn Jahre über in den Braunfels-Bau.

Wir sollten also nicht zu enttäuscht sein, dass im kommenden Februar die PDM wegen Schäden an der Rotunde bis September 2013 schließen muss. Das mutet bitter an für ein Jubiläum, dennoch herrschen Genugtuung und Dankbarkeit vor, dass wir unsere Pinakothek besitzen. Letztlich von den Bürgern gewollt und durchgesetzt gegen so manchen Politiker. Und noch heute engagieren sich die Bürger etwa bei der Stiftung Pinakothek der Moderne oder bei PIN, Freunde der Pinakothek der Moderne. Natürlich haben auch Sammler wie Eleonore und Michael Stoffel (Werke 2008/09 ausgestellt) oder Ann und Jürgen Wilde die neuen elysischen Kunstgefilde für sich entdeckt und ihre Schätze vertrauensvoll dorthin gegeben. Zum Glück alle (außer Udo Brandhorst), ohne ein eigenes Gebäude dafür zu fordern.

Vor und nach den Monaten der Schließung, über die der temporäre Pavillon „Schaustelle“ hinweghelfen soll, wird die Pinakothek der Moderne, an die wir uns schon so wohlig gewöhnt hatten, wieder etwas Besonderes sein: Das ist dieser Vierklang ja auf alle Fälle.

Informationen:

Öffnungszeiten: täglich außer Mo 10-18, Do. 10-20 Uhr.

Eintrittspreise: regulär 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, sonntags 1 Euro; bei Sonderausstellungen gelten andere Preise. Tagesticket 12 Euro (drei Pinakotheken, Museum Brandhorst, Sammlung Schack) 5er-Ticket 29 Euro (drei Pinakotheken, Museum Brandhorst, Sammlung Schack), Sonderausstellungen sind nicht inbegriffen. Freien Eintritt erhalten Schulklassen o. ä. mit Aufsichtspersonen.

Führungen: Telefon 089/ 23 805-284.

Simone Dattenberger

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