Trombone Shorty

Trombone Shorty: Der nette Dozent vom Grundkurs Funk

München - Ungefähr nach einer Viertelstunde des Konzerts macht’s Troy Andrews, genannt Trombone Shorty, alleine. Der 25-Jährige steht in der Bühnenmitte der fast ausverkauften Muffathalle und bearbeitet die Posaune, die ihm den Namen gab, in Ehrfurcht gebietender Manier.

Wie ein Boxer bewegt sich der drahtige Afroamerikaner, die rechte Zughand schnellt vor und zurück wie eine gut gezielte Gerade. Shortys Band Orleans Avenue beobachtet den Chef in der Gewissheit, dass er sie eigentlich gar nicht braucht – so funky trötet Shorty.

Es ist der beste Moment eines unterhaltsamen Konzerts. Trombone Shorty und seine sechs sympathischen Mannen spielen unter Hochdruck; man versteht, warum die Truppe aus New Orleans schon mit Lenny Kravitz und sogar U2 auftrat: Jazz, Funk, Soul, Rock, Latin – die Orleans Avenue kann alles.

Und obwohl das Publikum abgeht wie Schmitts Katze, liegt genau da der Haken: Denn einen Preis für Originalität gewinnt Trombone Shorty nicht. Er ist ein Plünderer und Stil-Verwurster, und manchmal kommt man sich bei all den James-Brown-Routinen vor wie im Grundkurs Funk an der Volkshochschule. Als wäre Shorty der nette Dozent für bedauernswerte Menschen, die noch nie in ihrem Leben einen Ton schwarzer Musik gehört haben. Als Sänger ähnelt er übrigens mal Stevie Wonder, mal Aaron Neville.

Doch bevor einen der Zweifel an der eigenen Handschrift des Meisters ernsthaft anwehen kann, bläst das Septett einen schon wieder um. Am Ende tauschen die Musiker sogar Instrumente – Shorty an den Drums –, bevor der Grundkurs Funk mit „When The Saints Go Marching In“ im Stil einer Mardi-Gras-Kapelle Servus sagt.

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