Bayern-Schock: Müller verpasst wohl Leipzig-Doppelpack

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Münchner Opernfestspiele

Tropfenfrei dank Bruckners Draht zum Himmel

Das Donnergrollen war verhallt, die Schwüle verflogen, und über dem Marstallplatz glänzte der Himmel weiß-blau, als die Münchner Opernfestspiele am Sonntagabend mit dem Oper-für-alle-Freiluftkonzert lockten.

Vielleicht wirkte wirklich Anton Bruckners „guter Draht zum Himmel“ noch postum, wie Intendant Nikolaus Bachler vermutete. Bruckners Achte stand auf dem Programm. Auch für Kent Nagano ist das Open-Air-Ereignis Chefsache. Charmant hieß er die rund 7000 Hörer, die auf dem Marstallplatz lagerten, willkommen. Er freute sich, dass mit dem 2007 gegründeten Jugendorchester „Attacca“ die große Münchner Musik-Tradition fortgeführt und die Kreativität gefördert werde.

„Unsere Zukunft“ nannte Nagano die mittlerweile 90 Musiker, die mit Wagners Ouvertüre zu „Rienzi“ den Sommerabend „einläuteten“. Derweil die ersten Luftballons in den klaren Abendhimmel schwebten, intonierten sie schwungvoll das Jugendwerk. Dabei ließen sie Italienisches anklingen und auch nicht überhören, dass der „Fliegende Holländer“ bereits im Anmarsch war.

Mit großem Applaus bedankten sich die Zuhörer bei den zwölf- bis zwanzigjährigen Instrumentalisten, die Nagano im lila „Attacca“-T-Shirt mobilisierte. Fürs Bayerische Staatsorchester schlüpfte er dann in den Frack – und natürlich für Bruckner, dessen Achte eine Herausforderung geblieben ist. Zumal in der Urfassung, deren Münchner Uraufführung der Dirigent Hermann Levi 1887 abgelehnt hatte. Nagano verteidigt diese Fassung – jetzt sogar im Freien. Das Publikum nippte am Rotwein , schnabulierte vom Käse oder naschte Pralinés und lauschte Bruckner mit großer Aufmerksamkeit. Dessen effektvoll hochgeschraubte Steigerungen machten Eindruck. Übergänge ins Piano überzeugten weniger. Der Wechsel von Spannung und Entspannung verpuffte oft, und auch in Sachen Klangbalance schienen die Lautsprecher überfordert. Dennoch gab es dichte Momente im Scherzo wie im Adagio , dem Bachler von seinem Büro aus als „Fenstergucker“ lauschte.

Gabriele Luster

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