Der Trottel im Hintergrund

- "Das hier!" Cameron Diaz klopft auf ihren Busen und lacht: "Dies ist der Unterschied." Gefragt hatte man danach, was weibliche Superhelden von männlichen unterscheidet. Drew Barrymore und Lucy Liu, die beiden anderen im Dreibund der "Charlies Engel" antworten ernsthafter: "Der Hauptunterschied ist, dass wir einfach Frauen bleiben", antwortet Lucy Liu, "feminin und doch stark. Sich keine Muskeln anzutrainieren, nicht knallhart zu sein, uns nicht in Männer zu verwandeln."

<P>Darin sei der Film "natürlich" ein Indiz für die soziale Modernisierung der Frau. Und Barrymore ergänzt: "Frauen müssen den Bad Guy zur Strecke bringen - das ist der Job; aber wir sind nicht männerfeindlich. Wir wollten ernsthaftere Themen ausloten, aber im Rahmen des Möglichen." Denn selbstverständlich ist "3 Engel für Charlie", das zweite Remake der berühmten 70er-Jahre-TV-Serie, eine Action-Komödie, kein Autorenfilm.</P><P>Während man mit Diaz, Barrymore und Liu in einem Berliner Hotel zusammensaß, fühlte man sich wie Paris, der sich zwischen drei Göttinnen kaum entscheiden konnte. Aber die heutigen Diven sind keine Rivalinnen. "Die Chemie zwischen uns hat definitiv gestimmt", erzählte Cameron Diaz. Man sah es: Laut gickelnd, glucksend kamen sie ins Zimmer hinein, zuerst die dunkelhaarige Lucy Liu, die ruhigste, ernsthafteste: "Wie hat Ihnen der Film gefallen" fragte Sie artig, man sprach über Lieblingsszenen, den Humor, fragte nach einer kleinen Tätowierung, einem merkwürdig geschwungenen Z auf ihrem linken Handrücken: "Die stammt von meinem Freund."</P><P>Doch ehe man sich einer milden Enttäuschung hingeben konnte, kamen schon die beiden anderen: Drew Barrymore mit zurückgestecktem roten Haar, etwas kleiner, wie Liu in dezentem Schwarz gekleidet, Cameron Diaz dagegen in hellen Hosen und einer leuchtend roten Jacke. "Wir sind hier, um die Klischees zu widerlegen, Hollywooddarsteller könnten nicht gut zusammenarbeiten", sagte Barrymore, "wenn es blöd gewesen wäre _ können Sie sich vorstellen, wir hätten Lust gehabt, miteinander zu spielen? Aber wir inspirieren uns, haben eine Balance, feuern uns an. Es gibt auch Privates: Wir essen und klatschen."</P><P>Es ist ungewöhnlich, dass Filmstars dieses Kalibers ein gemeinsames Interview geben. Eitelkeit, die Angst, sich gegenseitig die Schau zu stehlen, spielte hier offenbar keine Rolle - sie scheinen sich wirklich so gut zu verstehen, wie sie behaupten. "Es war fast zu viel Spaß. Manchmal haben wir die Szenen deshalb zunächst nicht hingekriegt. Wir mussten immer wieder lachen und haben zu hören bekommen: ,Es ist vier Uhr morgens, die Leute wollen nach Hause!" Zu diesem Spaß gehört auch das nachträgliche Lachen über die Schwierigkeiten, in hochhackigen Schuhen zu rennen oder schwierige Martial-Arts-Figuren zu lernen: "Lucy rennt lieber, ich kämpfe mit den Schuhen - einem ist immer irgendetwas missglückt." </P><P>Es ist erstaunlich, wir sehr diese persönliche Begegnung den Filmcharakteren entspricht. Lucy Liu wirkt tatsächlich am kühlsten und intellektuellsten, sie antwortet ausführlich und nachdenklich. Drew Barrymore erscheint mehr als Tatmensch, witzig, temperamentvoll, flirtet sie schon mal mit dem Fragesteller, wirft ihm einen direkten Blick zu oder macht selbstironische Witze. </P><P>"Tschechows ,Drei Schwestern sollten wir zusammenspielen", meint sie, trotz ihrer Theatererfahrung, nicht ganz ernst und kugelt sich gleich darauf vor Lachen. "Aber wir sollten einmal Theater spielen: Off-Off-Off-Theater", meint Lucy Liu. Und Barrymore ergänzt: "Ja, Du Lucy, bis eine gute Tänzerin, Du Cameron, singst gut, und ich bin der Trottel ohne Rhythmus im Hintergrund." Fast die ganze Zeit über hält Diaz, noch die stillste der drei, Lucy Lius Hand fest. Alle lachen dauernd, unterbrechen sich, reden mindestens ebenso viel miteinander wie mit dem Fragesteller . . .</P><P>Und mag auch manches davon zur perfekten Show dreier Hollywoodprofis gehören, es war ein ungewöhnlicher Nachmittag. Wann trifft man schon einmal drei Engel auf einmal?<BR><BR></P>

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