Katalonien: Madrid will Regionalregierung absetzen

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Die Trümmer des eigenen Unvermögens

- "Weil in der Hölle gescheuert wird", ist der Teufel auf die Erde, in die deutsche Provinz gekommen und bringt die kleine Intellektuellenwelt um den versoffenen Dorfschulmeister, den Dichter Rattengift, die vielfach begehrte Liddy und allerhand windige Landadel-Tölpel mächtig durcheinander.

"Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" von Dietrich Christian Grabbe (1801-1836) war die erste Premiere im Rahmen des "Young Directors Project" der Salzburger Festspiele. Und passend zu "Jedermann" und "Höllenangst", den vorangegangenen Schauspielpremieren, sollte auch hier wieder der Teufel los sein. Ist aber nicht.

Der junge Regisseur, der jetzt in Salzburg seine Festspiel-Chance bekam, ist Roger Vontobel (2007 darf er an den Münchner Kammerspielen Kleists "Familie Schroffenstein" inszenieren). Doch anstatt sich Grabbes herrlicher Komödie anzunehmen und sie ins rechte Bühnenlicht zu setzen, meinte er, sich mehr dem so genialen wie alkoholkranken Dichter aus Detmold widmen zu müssen. Und mischte Tagebuchnotizen des Autors unter den Stücktext, womit er die Aufführung verdächtig nah an einen Volkshochschulkurs rückte.

Vontobel ließ Scherz, Satire, Ironie weitgehend beiseite. Die tiefere Bedeutung hatte es ihm angetan. Die geriet ihm allerdings zur Untiefe, sodass er und seine Schauspieler darin vollends versanken.

Das Problem einer heutigen Aufführung liegt in der Tatsache, dass Grabbes Stück eine einzige, ätzende, zeitkritische Anspielung ist auf den damaligen Literatur- und Theater-, ja, den ganzen Kunst- und Bildungsbetrieb in Deutschland.

Das Lustspiel werde, so der Verfasser, "bei jedem lautes Lachen erregen, doch im Grunde nur ein Lachen der Verzweiflung". Um alles zu verspotten, bemühe der Autor, so Grabbe weiter, "den Teufel, seine Großmutter, ja, sich selbst in dieses Stück hinein; nichts in "Literatur und Leben" bleibe "unversehrt".

Will man also dem Stück 2006 mit einer Aufführung gerecht werden, muss eine aktualisierte Fassung her. Und zwar eine hochkarätige, an genial-satirischer Schärfe dem Dichter Grabbe ebenbürtige. Anders hat es, wie jetzt in Salzburg zu sehen war, keinen Zweck.

Eine vollgemüllte Bühne (Claudia Rohner) mit verschiedenen Spielinseln, für jeden der sieben Schauspieler/Innen eine. Ihr Ausgangspunkt: Sie hausen quasi seit Wochen Tag und Nacht auf der Probebühne.

Mit Mengen von Kaffee, Wasser, Schnaps und Wein, dazu die obligatorische Musik. Ach, wären sie nur für immer dort geblieben! Ach, hätte ihre Beschäftigung mit Stück und Autor sie zu selbstkritischer Erkenntnis und Verzicht geführt! Aber nein, das ganze unausgegorene Zeug, dieses armselige Dokument des eigenen Nichtverstehens, die Trümmer theatralen Unvermögens mussten unters Publikum gebracht werden. "Young Directors Project" zum Ersten - weitere Premieren folgen. Es kann nur besser werden.

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