Tschaikowsky-Nacht

- "La Ola" klappt eben nur, wenn die Stars selbst eingreifen. Also: Geigen hoch, und unter allseitigem Gelächter und Applaus kräuselt sich ein Wellchen durchs weite Rund. 20 000 Zuhörer, geschätzte 5000 Picknickkörbe, Promis, Klassik-Greenhorns und Abonnenten in Jeans, beschallt von einer exzellenten Tonanlage: Das ist das Waldbühnenkonzert der Berliner Philharmoniker zum Saisonabschluss, heuer als "Tschaikowsky-Nacht" annonciert.

<P>Doch bevor die Sache ins Häppchenprogramm kippt, macht er Ernst und der PR-Maschinerie alle Ehre. Lang Lang, 22-jähriger Wunderpianist aus China, donnert, streichelt und zärtelt in Tschaikowskys erstem Klavierkonzert, so dass sich atemloses Staunen breit macht, dem sich nur Charlottenburgs Vogelwelt verweigert. Der physische Einsatz mit makellosen Oktav-Kaskaden und traumtänzerischen Furioso-Momenten verblüfft. </P><P>Mehr noch aber, welche Schattierungen und Modernismen Lang Lang dem Werk entlockt, wie er sich nicht romantisch in der Partitur einrichtet, sondern mit Simon Rattle zu einer aufregenden, unverbrauchten Interpretation findet.</P><P><BR>Rattle ist hier der ideale Partner. Gleich einem Kind, das gerade Aufregendes entdeckt hat und dies nun mit ansteckender Begeisterung allen mitteilen muss, so pflegt dieser dirigierende Popstar sein Orchester zu führen. Der zweite Akt aus Tschaikowskys "Nussknacker" entfaltet da unwiderstehlichen Charme und die Atmosphäre eines Edel-Kurkonzerts: Dezentes Schunkeln beim etwas flotten "Blumenwalzer", Kerzen, Sternwerfer und Zwischenapplaus. </P><P>Doch der doppelte Nachtisch, eine skurril-grelle Polka und ein frecher Tanz von Schostakowitsch, zeigten: Ein bisschen Programmambition hätte schon sein dürfen. Rhythmisches Klatschen und Pfeifen dann bei der ultimativen Zugabe, in der Rattle sein Orchester allein ließ, lieber Küsschen in der ersten Reihe verteilte - gegen die "Berliner Luft" haben halt russische Komponisten keine Chance.</P>

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