Tulpenkelche und Hortensienblüten

- Frühling: Zeit, sich auf eine Wiese zu setzen, sich an der Blütenpracht zu freuen. Aber auch Zeit für schattige Museumssäle? Gewiss, denn in die Räume des Bayerischen Nationalmuseums ist gleichermaßen der Lenz eingezogen. Hier winden sich Emile Gallé´s feine Pflanzenstängel, hier summt eine Biene Laliques um zarte Hortensienblüten, hier öffnen sich die Tulpenkelche Tiffanys auf mannigfaltige Weise. Hier herrscht - immerwährend und ideal - der Frühling des Jugendstils.

<P>Pünktlich zur Bundesgartenschau (als Teil des Kulturprogramms) sowie zu seinem eigenen 150-jährigen Jubiläum zeigt das Nationalmuseum eine Auswahl seiner kostbaren Jugendstilsammlung, erst 1983 begründet. Dabei kann die Ausstellung "Floraler Jugendstil" aus den beachtlichen ehemaligen Privatsammlungen Siegfried Wichmanns sowie des Herzogs Franz von Bayern schöpfen. Sie schickt den Betrachter auf eine kleine, aber exquisite Reise: zu den bedeutendsten europäischen und amerikanischen Vertretern, Zentren, Werkstätten und Techniken der Schmuck-, Glas-, Keramik- und Metallkunst zur Zeit der Jahrhundertwende.<BR><BR>Schlank schlingen sich die Flügel von Libellen um das Kaffeeservice aus der einflussreichen Stockholmer Fayencefabrik Rörstrand Aktie Bolag, während ihre Körper als Griffe plastisch hervortreten. Äußerst filigran muten die Arbeiten der Ausstellung an, kaum vorzustellen, unter welch großer Hitze einige von ihnen komplett, mit allen eingeschmolzenen Dekors gefertigt wurden - das Rätsel um Tiffanys "Favrile Glass" ist bis heute nicht vollständig gelöst. Dessen charakteristische und viel imitierte Handschrift - wie das zusammengeschmolzene und in Blei gefasste Opal-, Milch- und Farbglas - zeigt sich im Nationalmuseum in einer großen elektrischen Tischlampe von 1902-1906, im "Cherry Tree", dem blühenden Obstbaum.<BR><BR>Aber auch in urwüchsigen Lava- sowie in überirdischen Blütenkelchgläsern, die allein schon durch die Nachbarschaft der wunderbaren großbauchigen Granatapfelvase Emile Gallés zu zerbrechen drohen. Die letzte Vitrine aber führt den Betrachter wieder nach draußen in den Münchner Frühling, zu den gleichen frischen Blüten und Blättern, die auch schon dem Jugendstil als Vorbild dienten.</P><P>Bis 16. Oktober. Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr. Tel. 089/21 12 42 16. <BR></P>

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