Sicherheit im Theater

Was tun, wenn’s brennt?

Sie fallen kaum auf und sind doch immer da: die Vertreter der Feuerwehr bei Theater- oder Opernaufführungen. Ein
Besuch am Arbeitsplatz.

Wenn der Theaterbesucher heute bei manchen Regiearbeiten vielleicht nicht immer genau weiß, woran er ist, auf eines kann man sich in der Regel verlassen: Sicherheit wird am Theater großgeschrieben - egal, ob an der Münchner Staatsoper für "Siegfried" ein Stuntman in Flammen aufgeht oder das Gärtnerplatztheater bei Verdis "Masnadieri" stimmungsvolles Kerzenlicht einsetzt. Denn spektakuläre Brände hat es in der langen Bühnengeschichte leider immer wieder gegeben. So ist heute nicht nur der Theaterarzt für jeden Musentempel ein Muss, sondern auch die hauseigene Feuerwehr.

Einer dieser wackeren Brandbekämpfer ist Josef Schmid, der seit mittlerweile 16 Jahren ein wachsames Auge auf das Staatstheater am Gärtnerplatz hat. Gelandet ist er hier, wie wohl die meisten seiner Mitstreiter, eher aus Zufall. "Das hat sich damals durch einen Kollegen ergeben. Ich war früher bei der Freiwilligen Feuerwehr. Dann habe ich gehört, dass man hier jemanden sucht. Und weil ich meinen alten Beruf wegen einer Allergie nicht mehr weitermachen konnte, war mir das ganz recht." Seitdem hat Schmid hier nicht nur drei Intendanten, sondern auch eine ganze Reihe von Inszenierungen erlebt, die er von seinem Arbeitsplatz am linken Bühnenrand aus verfolgen konnte.

Auch wenn er privat selten im Zuschauerraum anzutreffen ist, langweilig wird es bei einem breit gestreuten Repertoire zwischen Oper, Operette und Musical nicht. Will man ihm allerdings im Gespräch persönliche Favoriten entlocken, gibt er sich diplomatisch: "Wenn mich das jemand fragt, sag ich immer, wir spielen nur gute Sachen. Aber die alte ,Zauberflöte‘ vom Pscherer, die hab ich schon ganz besonders gern gehabt." Was aber keineswegs heißen soll, dass man ihn nicht auch für Neues oder Ungewöhnliches wie "Das Märchen vom Zaren Saltan" begeistern könnte. Doch das mag auch daran liegen, dass hier die Bühne mit über 7000 Litern knöchelhoch unter Wasser gesetzt wird. "Da haben die Kollegen von der Technik schon ihre Späße gemacht und gesagt, jetzt bist du wahrscheinlich froh, dass so viel Wasser auf der Bühne is. Da brennt garantiert nix."

Rundum feuerfeste Inszenierungen zählen aber doch zu den Ausnahmen, und wenn sich ein Regisseur Dinge wie echte Kerzenleuchter und brennende Zigarren wünscht, muss das alles zuvor amtlich geprüft und genehmigt werden. "Die müssen halt genau erklären, warum die das haben wollen, abgelehnt worden ist eigentlich noch nie was. Dafür sind wir ja da und passen auf." Und das mit Erfolg. In den 16 Jahren, die Josef Schmid seine Kontrollrunden durch das Haus und die Werkstätten dreht, kam es noch nie vor, dass zum Schutz des Publikums der Eiserne Vorhang gesenkt werden musste. "Da war schon mal einer von den Scheinwerfern zu nah an den Kulissen dran. Und das hat dann angefangen zu kokeln. Feuer gefangen hat es aber zum Glück nicht. Es wird hier ja fast nur schwer entflammbares Material verwendet."

Aber halt, einen Zwischenfall gab es dann doch - auch wenn Schmid den heute als lustige Anekdote erzählt. "Einmal hat in der Schlosserei der Adventskranz gebrannt, weil die vergessen hatten, den auszumachen.

Tobias Hell

Feuer-Katastrophen in Theatern- und Opernhäusern

In der Nacht vom 4. auf den 5. März 1750 brannte die Münchner Residenz. Das Feuer zerstörte die Neuveste, darunter auch das Theater im St. Georgensaal. Die lediglich provisorisch bespielbare kleine Bühne in der Residenz wurde zwar von den Flammen verschont, die Verantwortlichen erkannten jedoch die Brandgefahr, die von der Bühne ausging. Kurz nach dem Feuer ordnete Max III. Joseph den Bau des "Neuen Opera Hauses" an.
Am 8. Dezember 1881 wurde das Wiener Ringtheater am Schottenring 7 durch ein verheerendes Feuer völlig zerstört. Der Brand brach kurz vor einer Aufführung von "Hoffmanns Erzählungen" aus, nach offiziellen Angaben starben mindestens 384 Menschen. Als Folge wurde 1882 in Österreich ein neues Gesetz zu Sicherheitsvorkehrungen in Theatern erlassen, dabei wurde etwa der Eiserne Vorhang, eine Brandschutzeinrichtung zwischen Bühnen- und Zuschauerraum zur Pflicht.
Bei der Generalprobe zu Verdis Oper "La traviata" fing im Juli 1993 der Vorhang im Münchner Nationaltheater Feuer. Der Brand konnte rasch gelöscht werden, verletzt wurde niemand. Der Verein "Freunde des Nationaltheaters" sammelte damals Spenden für die Anschaffung eines neuen Vorhangs. Die Münchner Kammerspiele blieben in ihrer Geschichte bislang von Katastrophen verschont: Kleinere, in der Sprache der Theatertechniker "Entstehungsbrände" genannte Feuer, also etwa ein schmorendes Vorhangstück oder kokelnde Eimer, wurden entdeckt und mit dem Handfeuerlöscher rechtzeitig gelöscht.


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