Turbulenter Bilderbogen

- Mehr als drei Jahrzehnte nach dem schwedischen Sieg beim Grand Prix ist die Welt wieder im ABBA-Fieber. "Mamma Mia!" macht's möglich. In London, Tokio und New York, in Hamburg oder Stuttgart sorgt das wohl erfolgreichste Musical unserer Tage seit Jahren für ausverkaufte Häuser. Nun macht "Mamma Mia!" in der englischen Originalversion auch für zwei Wochen Station in der Olympiahalle, wo am Donnerstag die umjubelte Premiere über die Bühne ging.

Und da waren sie wieder, die schreiend bunten, glitzernden Schlaghosen, die Schwindel erregenden Plateausohlen und ähnliche modische Jugendsünden aus den wilden 70-ern, die so mancher wohl gerne aus dem Gedächtnis gestrichen hätte.

Dass die Story des Musicals ähnlich sparsam geraten ist wie das Bühnenbild, tut dem Spaß bei der Sache keinen Abbruch. Denn mit 23 unvergessenen ABBA-Hits ist bei "Mamma Mia!" für beste Stimmung und Party-Laune garantiert. Geschickt eingebettet sind die Songs in eine Geschichte, die mit ABBA nun eigentlich rein gar nichts zu tun hat.

Geballte Frauenpower

Wir sind auf einer griechischen Insel, wo die junge Sophie (Emily Dykes) ihrer baldigen Hochzeit entgegenfiebert, bei der ihr Vater sie zum Altar führen soll. Dabei gibt es nur ein Problem: Sophie weiß nicht, wer ihr Vater ist. Und so werden kurzerhand die drei Ex-Freunde ihrer Mutter Donna eingeladen, was im Lauf des Abends noch für so manche Verwicklung sorgen wird.

Regisseurin Phyllida Lloyd und Choreograph Anthony van Laast setzen den turbulenten Bilderbogen dabei mit viel Witz und auch mit einem kleinen ironischen Augenzwinkern in Szene. Und wo kann man sonst schon Tänzer sehen, die trotz Taucherflossen an den Füßen einen flotten Sirtaki aufs Parkett legen?

Unter den Darstellern hat vor allem Helen Hobson als resolute allein erziehende Mutter Donna die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite. Ebenso ihre beiden alten Freundinnen Tanja (Geraldine Fitzgerald) und Rosie (Joanna Monro). Wenn diese drei Energiebündel ihre Versionen von "Dancing Queen", "Chiquitita" oder "Super Trouper" zum Besten geben, dann kocht der Saal. Bei solch geballter Frauenpower haben die Männer naturgemäß nur wenig zu melden. Doch auch Dale Rapley, Cameron Blakely und Marcus Cunningham schlagen sich wacker als potenzielle Väter.

Am Ende stehende Ovationen und eine Stimmung, die es jederzeit mit der Konkurrenz auf der Theresienwiese aufnehmen kann. Denn wie viele Musicals gibt es schon, bei denen alle Zuschauer bereits vorher sämtliche Lieder mitsingen können und das beim Finale auch lautstark tun? (Bis 12. 10.)

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