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Tina Turner auf der Bühne.

Sie lässt es krachen

So war Tina Turners Konzert in München

München - Es wäre vermessen, diesen Abend nur „furios“ zu nennen. Er ist der Hammer – und Tina Turner ist es auch. Freitag und Samstag ist die 69-Jährige nochmals in der Olympiahalle zu Gast. Karten gibt es wohl keine mehr. Leider.

Vergessen Sie die AOK-Gesundheitstage. Wer Tina Turner dabei beobachten durfte, wie sie in der Olympiahalle etwas mehr als zwei Stunden ihre stimmgewaltige und bewegungsintensive Arbeit verrichtet, der hat genug Motivation, ausreichend Sport zu treiben: Zum Auftakt ihrer vier Konzerte in München präsentierte die 69-Jährige eine fulminante, klug durchdachte, krachende Show. Es ist ein schweißtreibendes Spektakel mit Explosionen, Feuerwerk, Licht und Videoeinspielungen – wobei die Musik und vor allem Turners Stimme immer Mittelpunkt bleiben. Wäre diese Frau nicht schon längst die Königin der Rockmusik, es wäre wohl ihre Krönungsfeier gewesen.

Tina Turner wieder auf Tour


Die Turner hat Spaß bei dieser Reise durch ihre 50-jährige Karriere – ebenso wie ihre begeistert mitsingenden und tanzenden Fans in der Olympiahalle, die natürlich restlos ausverkauft ist. Tina Turner versprach, dass der Abend eine Rekapitulation ihrer Hits werden würde – und so kam es. Sie ist ja nicht nur eine großartige Sängerin, sondern auch ein wunderbarer Entertainer – und dank Videoleinwand ist jeder ironische Blick, jedes neckische Blinzeln, jeder Flirt auch in den obersten Rängen zu sehen – etwa bei „What’s Love Got To Do With It“. Erst neckt sie verspielt die Männer im Publikum, lacht dann dreckig über testosteronbedingtes Macho-Gehabe: „Nichts ist besser als weibliche Unterstützung.“ Dann macht sie aus der Nummer einen Frauen-Männer-Mitsingchoral.

„Private Dancer“ trägt sie später zurückhaltend, fast schüchtern vor, mit einer Stimme, die noch immer wunderbar klingt, aus der Erotik und Klage, Enttäuschung und Versprechen zu hören sind. Klar, dass „Simply The Best“ dagegen krachen muss.

Dass sie es auch intim kann, beweist sie nach der halbstündigen Pause, als sie während des Akustik-Blocks auf einem Barhocker im schummrigen Licht sitzend den Beatles-Hit „Help“ interpretiert: verletzlich, voll Blues ist Turners Stimme da.

Nein, Tina Turner muss nichts mehr beweisen. Es ist dennoch schön zu sehen, wie angstfrei sie, die im November ihren 70. Geburtstag feiert, mit dem eigenen Alter umgeht. Da umgibt sie sich mit athletischen Tänzerinnen, deren Großmutter sie sein könnte. Andere hätten es wohl nicht gewagt, so offen den Vergleich herauszufordern. Doch natürlich besteht sie ihn locker, tanzt, springt, schleicht und stolziert auf ihren High-Heels durch diese Nacht, die mit dem dampfenden „Steamy Windows“ begonnen hatte.

Bei den ersten Takten dieses Songs war der rote Samtvorhang vor der Bühne noch geschlossen. Als er sich öffnete, stand Turner auf einer meterhohen Säule. Vermessen? Nein. Das ist der Platz einer „Queen of Rock“.

Michael Schleicher

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