Ausstellung

„Das ist kein Kitsch“

München - Die Ausstellung „Tutanchamun“ bringt das Grab und die Schätze des Pharao als Repliken nach München.

Vom ganzen Erdball kann man noch nicht sprechen. Aber immerhin vier Kontinente hat die Ausstellung „Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“ schon besucht (unsere Zeitung ist Kooperationspartner). Alles begann 2008 in Zürich und führte über München, Barcelona, Manchester, Madrid, Dublin bis nach Südkorea. Von April bis September gastiert die Schau nun nach sechs Jahren erneut in München. Zwar sind ein paar Neuerungen dazukommen, das Grundkonzept jedoch ist gleich: Für die Ausstellung wird in der Kleinen Olympiahalle ein vergrößerter Nachbau der vier zum Pharaonengrab gehörigen Kammern installiert. Dieser soll dem Besucher ermöglichen, das Grab samt Kostbarkeiten so zu sehen wie der britische Forscher Howard Carter. Dieser entdeckte Tutanchamuns Mumie im Jahr 1922 in einer etwa 100 Quadratmeter großen unterirdischen Anlage im ägyptischen Tal der Könige.

„Wir zeigen das Grab so, wie es anfangs war“, sagt Wolfgang Wettengel, wissenschaftlicher Leiter der Schau. „So, wie es damals nur der kleine Kreis um Carter sehen konnte.“ Um diesen Eindruck überhaupt erwecken zu können, arbeitet das Projekt ausschließlich mit Repliken. Das beginnt beim Grab selbst und endet bei dessen Inhalt. Die meisten Originalschätze, darunter Statuen, Schreine, Vasen und natürlich die berühmte Goldmaske des Pharaos, befinden sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo. Der Rest lagert in anderen Sammlungen und ein ganz kleiner Teil in der echten Grabkammer im Tal der Könige bei Luxor. Selbst wenn sämtliche Museen mitspielen würden, wäre es unmöglich, alle Objekte wieder am echten Fundort zusammenzubringen.

„In der ursprünglichen Fundsituation war im Grab alles wild aufeinander getürmt“, erklärt Wettengel. „Wenn man das so rekonstruieren würde, gingen die ganzen Kunstwerke kaputt.“ Viele Repliken, die für die Schau angefertigt wurden, bestehen aus soliden Materialien, von Edelsteinen und Massivgold einmal abgesehen, und wurden in Handarbeit hergestellt. Manche Exponate wurden sogar nach alter Manier vergoldet.

Kritiker werfen der Ausstellung vor, sie mache aus dem alten Ägypten eine Art Disneyland. Wolfgang Wettengel kann das nicht nachvollziehen: „Natürlich fehlt uns die Aura des Originals. Dennoch steht bei uns alles auf streng wissenschaftlichen Füßen. Wir arbeiten didaktisch und mit seriösen Fakten. Das ist alles andere als Kitsch.“ Von anderen Ägyptologen erhielt Wettengel nach eigenen Aussagen auf die Schau durchwegs positive Resonanz.

Bei aller Seriosität aber wollen die Macher freilich auch den Abenteuergeist der Besucher wecken. Wer sich in die nachgebaute Grabkammer Tutanchamuns wagt, findet diese nicht taghell erleuchtet vor, sodass man alles ganz genau erkennen könnte, sondern in mystisches Dunkel getaucht. Als neuester Gag lockt in München nun eine Führung auf Bairisch. Der Mundart-Mann ist allerdings studierter Ägyptologe.

Beim vergangenen München-Gastspiel 2009 sahen 365 000 Menschen das nachgebaute Grab mit dem nachgebauten Schätzen. Dass das alte Ägypten so viele Leute in seinen Bann zieht, ist ein kein neues Phänomen. „Schon früher, besonders im Barock, hat man dieser Kultur eine geheimnisvolle Weisheit zugeschrieben“, erklärt Wolfgang Wettengel. „Man dachte, dass die Rätsel dieser Welt gelöst werden könnten, wenn man alles über die Ägypter und die Hieroglyphen wüsste.“

Die Hieroglyphen wurden 1822 entschlüsselt. Die Faszination Ägypten ist dennoch geblieben. Wettengel glaubt, dass das auch an der ägyptischen Grabkunst liegt. „Die Figuren zeigen ein jugendliches Äußeres, das zeitlos und überpersönlich ist. Diese Schönheit sollte ins Jenseits hinüberreichen, die Vergänglichkeit überwinden.“ So wie die berühmte Goldmaske des Tutanchamun. Auch sie ist in der Ausstellung zu sehen – als vergoldete Replik.

Katrin Hildebrand

Informationen:

Die Ausstellung läuft vom 3. April bis 13. September in der Kleinen Olympiahalle;

Telefon 089/ 32 98 90 50.

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