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Verena Altenberger im ARD-Höhlendrama: „Wir haben uns nur noch angeschrien“

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Von: Rudolf Ogiermann

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Riesending (AT)
Das eigentliche Drama beginnt erst: Verena Altenberger als Höhlenkletterin Birgit Eberharter und Roland Silbernagl als schwer verletzter Höhlenforscher Josef Häberle in „Riesending – Jede Stunde zählt“. © Nikola Predovic

Am 8. Juni 2014 wird der Höhlenforscher Johann Westhauser in der „Riesending“-Höhle im Untersberg in den Berchtesgadener Alpen in rund 1000 Metern Tiefe bei einem Steinschlag schwer am Kopf verletzt. Eine gigantische Rettungsaktion läuft an, an der alles in allem mehr als 700 Personen beteiligt sind. Die Ereignisse von vor acht Jahren standen Pate für den ARD-Zweiteiler „Riesending - Jede Stunde zählt“.

Der Höhlenforscher Josef Häberle (Roland Silbernagl) liegt mit lebensbedrohlichen Kopfverletzungen tief in einer gigantischen Höhle im Untersberg bei Berchtesgaden. An Menschen, die den Mann retten wollen, mangelt es nicht – doch wer übernimmt die Führung? Und wer die Verantwortung, falls es bei der Bergung weitere Unfälle, am Ende sogar Tote gibt? „Riesending“, wie die Höhle, heißt der Zweiteiler von Johannes Betz (Buch) und Jochen Alexander Freydank (Regie), der nach der Ausstrahlung im Ersten in der Mediathek zu sehen ist. Verena Altenberger spielt die Hauptrolle in der Geschichte, die auf einem wahren Ereignis beruht. Die 35-Jährige verkörpert die – fiktive – Höhlenkletterin Birgit Eberharter, die sich bereit erklärt, die Rettungsmannschaft zu dem Verunglückten zu bringen. In weiteren Rollen sind unter anderen Maximilian Brückner, Anna Brüggemann und Sabine Timoteo zu sehen.

Frau Altenberger, was war Ihr erster Gedanke, als Sie das Buch zu „Riesending“ bekommen haben?

Verena Altenberger: Dazu muss man wissen, dass ich mir Anfang des Jahres vorgenommen hatte, bis zum „Jedermann“ im Sommer eine Auszeit zu nehmen. Aber dann rief mich mein Agent an und sagte: „Ich weiß, du wolltest eine Pause machen, aber wenn ich dir dieses Drehbuch nicht weiterleite, dann hasst du mich!“ (Lacht.) Und ich: Also gut, dann schick’ mal! Ich habe dann sofort gelesen, und abends um neun Uhr habe ich ihn angerufen und gesagt: Du musst mir jetzt sofort den zweiten Teil schicken! Dieses Drehbuch hat mich gecatcht wie ein guter Roman, den man nicht mehr aus der Hand legt.

Dass die Dreharbeiten überwiegend unter Tage stattfinden, an einem Ort, an dem es permanent nass und kalt ist, hat Sie nicht abgeschreckt?

Altenberger: Nein, das hat mich sogar angezogen. In der Beschreibung des Projekts stand schon drin, dass wir an Originallocations drehen, dass verschiedene Trainings erforderlich sind und dass wir versuchen sollten, möglichst alle Stunts selbst zu machen. Und ich so: Okay! I’m doing it!

Man darf da nicht eitel sein, wenn das einzige Licht die grell leuchtende Helmlampe des Gegenübers ist.

Altenberger: Das stimmt. Wir haben ja wirklich fast dokumentarisch gedreht, ohne Scheinwerfer, im Prinzip kam das Licht tatsächlich nur von unseren Helmlampen. Das hatte den lustigen Effekt, dass man die ist, die spielt, die, die klettert und sich dabei auch noch selbst sichert, und die, die das Licht liefert für die Kollegin. Alles in einer Person.

Wie haben Sie sich vorbereitet? Hatten Sie schon Klettererfahrung?

Altenberger: Nein, klettern konnte ich vorher noch nicht, das habe ich dann in Wien gelernt, bei einer ganz tollen Trainerin. Weil es in der Höhle dunkel ist und weil ich alles wirklich im Schlaf können musste, die Knoten, die Sicherungen, habe ich teilweise mit Augenbinde trainiert. Davon abgesehen haben Klettern und Höhlenklettern relativ wenig miteinander zu tun. In der Höhle, so sagt man, gibt es keine Ästhetik, da sind die Wände glatt und glitschig, da ist das Wichtigste, dass man sicher runter- und sicher wieder raufkommt. Man hat auch keine Kletterschuhe an, sondern Gummistiefel.

Sie leiden offensichtlich auch nicht an Klaustrophobie, oder?

Altenberger: Ich war mir nicht sicher, habe dann mit unserem Stuntkoordinator Jason Oettlé telefoniert und gesagt: Ich weiß jetzt, wie man klettert, ich habe keine Höhenangst, aber wie finde ich heraus, ob es mir nicht zu eng ist in den Höhlen? Und er meinte, das könne man eh nicht richtig üben, ich solle einfach ein paar Tage unter meinem Sofa durchkriechen. Und so habe ich am Ende meiner Vorbereitungen tatsächlich ein paar Tage unter dem Sofa verbracht. (Lacht herzlich.)

Gab’s trotzdem Momente, in denen Sie gedacht oder gar gesagt haben: Ich halte es nicht mehr aus hier unten?

Altenberger: Na ja, wir waren ja wirklich wochenlang in der Höhle, von morgens um acht bis abends um sieben, und haben teilweise so tief drinnen gedreht, dass es nicht möglich war, mal kurz rauszugehen. Das war schon eine besondere Herausforderung. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir da unten auch unsere Rollen zu spielen hatten. Ich glaube, jeder im Team hatte mal einen Tag, an dem ihm alles zu viel wurde.

Wann war es bei Ihnen so weit?

Altenberger: Es gab einen Tag, an dem es hieß: „Ihr werdet heute sehr, sehr nass!“ Und ich dachte: Ziehst du heute mal einen Neoprenanzug unterm Höhlenanzug an. Ich glaube, durch die Enge dieses Anzugs hatte ich dann unten kurz eine Art Panikattacke. Aber Jason hat die Situation wunderbar gerettet, er hat einfach meinen Höhlenanzug aufgerissen, eine Schere genommen, das Neopren aufgeschnitten und gerufen: „Breathe!“ („Atme!“, Red.) Dann war alles wieder gut.

Es heißt, das Team sei beim Dreh dieses Films besonders eng zusammengewachsen.

Altenberger: Ja, wir hatten wirklich eine absurd gute Zeit in diesen drei Monaten. Sabine Timoteo, die meine Hauptpartnerin in der Höhle spielt, und ich durften ganz viel improvisieren, weil es einfach Situationen gibt, die man nicht voraussehen kann – und dann entwickeln sich die Dialoge etwas anders, als sie im Drehbuch stehen. Ich kann mich an eine Szene erinnern, da sind wir mit dem Verunglückten schon auf dem Rückweg und diskutieren, ob wir ihn jetzt kopfüber abseilen sollen, weil wir, um ihn drehen zu können, ein ganzes Stück hätten zurückgehen müssen. Und plötzlich haben wir uns nur noch angeschrien. Aber niemand hat abgebrochen, und als die Szene zu Ende war, hat der Regisseur gefragt: „Alles okay bei euch?“ Und wir so: Wahrscheinlich schon! Und wussten beide nicht mehr, ob das gespielt war oder ernst. So etwas ist nur möglich, wenn man einander blind vertraut.

Die Medienvertreter übernehmen in dem Film die Aufgabe, zu fragen, ob denn, salopp gesagt, jeder Depp in eine Höhle klettern und sich in Gefahr bringen darf. Wie sehen Sie das?

Altenberger: Ich bin wirklich ein Riesenfan dieser Community, nachdem ich so viele Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher kennengelernt habe. Das sind alles top geschulte Leute mit Topausrüstung, die da reingehen. Aber wenn dann mal ein Stein auf sie runterfällt, wie es in diesem Fall war, dann helfen die beste Ausrüstung und die beste Vorbereitung nichts. Zu fragen, warum jemand überhaupt in Höhlen geht, ist absoluter Nonsens. Warum steigt man auf Berge, warum fährt man aufs Meer hinaus? Der Mensch tut das nun mal, er hat eine Sehnsucht nach Abenteuern, nach weißen Flecken auf der Landkarte. Einmal da sein, wo noch nie ein Mensch war.

Sie haben schon vor einiger Zeit Ihren Ausstieg aus dem „Polizeiruf“ bekannt gegeben. Gab’s schon Momente, in denen Sie es bereut haben?

Altenberger: Bereut nicht, weil ich wirklich überzeugt bin von der Entscheidung, aber es ist ein Abschied, der wehtut. Dieses Jahr war für mich sowieso ein Jahr der Abschiede. Ich habe ja auch bei den Salzburger Festspielen aufgehört, ich habe alle längerfristigen Engagements beendet. Aber es fühlt sich richtig an. Wenn ich eine Rolle so liebe und so gern spiele, dann habe ich immer große Angst davor, sie zu beschädigen. wenn ich zu lange an ihr festhalte. Ich möchte nicht an den Punkt kommen, an dem ich mir eingestehen muss, dass ich keine Lust mehr darauf habe. Und ich würde es auch nicht ertragen, wenn das Publikum das merkt und sagt: „Wie schade, die hat so gut angefangen, aber jetzt ist es a bisserl fad geworden.“ Aber die Bessie wird mir schon fehlen.

Riesending - Jede Stunde zählt
Kompetenzstreitigkeiten: Maximilian Brückner (li.) als Bergwachtchef Bertram Ehrhardt und Marcus Mittermeier als Staatssekretär. © Felix Vratny/BR

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