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U2 rockte Berlin.

Mit der U2 zu U2

Berlin - Der Empfang war ohrenbetäubend: 90.000 Fans begrüßten U2 am Samstagabend in Berlin mit einer La-Ola-Welle durch das riesige Olympiastadion - passend zur “360-Grad-Tournee“.

Die Tour verdankt ihren Namen der ufo-artigen Rundbühne. Auf der von einer Umlaufbahn umgebenen Panorama-Plattform boten die irischen Rocker anschließend eine 140-minütige Sciene-Fiction-Show der Superlative.

Botschaften für Berlin und Birma - so die Formel für die Landung des U2-Ufos in der Hauptstadt. Die unter vier gigantischen Spinnenbeinen untergebrachte Rundbühne gab den Blick aus allen Richtungen frei, so dass der Veranstalter etwa 20.000 Eintrittskarten mehr als üblich verkaufen konnnte. Die britische Vorband “Snow Patrol“ brachte die 90.000 aus nah und fern angereisten Fans in Partylaune.

Als U2 pünktlich um 20.45 Uhr den ersten Song - “Breathe“ - anstimmten, kochte die Stimmung bereits im Berliner Hexenkessel. Nach dem Titelsong des aktuellen Albums “No Line On The Horizon“, “Get On Your Boots“ und dem neuen Song “Magnificent“ erreichte die Show dann den ersten Höhepunkt mit dem Klassiker “Beautiful Day“. Wenig später erbebte das Stadion unter den Klängen von “I Still Haven't Found What I'm Looking For“.

Durchchoreographiert bis zur Perfektion

Das Publikum benötigten selten länger als zwei Takte, um einen Song zu erkennen. Bono und Co. ihrerseits gönnten sich und den Fans selten mehr als einige Sekunden, bevor sie den nächsten Song anstimmten. Durchchoreographiert bis zur Perfektion lieferten U2 eine Show ab, die das Publikum in Atem hielt.

Für eine kurze - wenn auch vermutlich geplante - Überraschung sorgten zwei Fans, die bei dem an diesem Abend Michael Jackson gewidmeten Song “Angel of Harlem“ an Gitarre und Bass mitspielen durften. Die für ihr politisches Engagement bekannte Rockband räumte auch an diesem Abend ihrem Kampf für Menschenrechte viel Platz ein. In den ersten Takten von “Sunday, Bloody Sunday“ flimmerten arabische Schriftzüge über die im Raumschiffkörper angebrachten Videoleinwände.

Das tiefe Grün, in das die Bühne minutenlang eingetaucht war, galt vermutlich der iranischen Oppositionsbewegung, die in den vergangenen Wochen gegen das umstrittene Ergebnis der Präsidentenwahlen protestiert hatte.

Suu-Kyi-Masken und “Happy Birthday“ für Mandela

Auf dem einer Umlaufbahn gleichenden Laufsteg ließen U2 gar etwa 50 Fans auftreten, die beim dem Song “Walk On“ als Zeichen der Solidarität ihre Gesichter mit Masken der birmanischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi verdeckten. Es folgten eine kurze Predigt des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu für die Hilfsorganisation “one.org“ und ein “Happy-Birthday“-Ständchen für Nelson Mandela . U2 hatten nicht nur Botschaften für Birma und die Welt im Gepäck.

Auch ihre Verbundenheit mit Berlin brachten sie zum Ausdruck: Bono begrüßte die Fans mit einigen Brocken Deutsch (“Danke für gekommen zur großen Party“) und eine auf der Leinwand eingeblendete Schneekugel mit dem Motiv “Brandenburger Tor und Berliner Bär“ erinnerte daran, dass einige U2-Songs ihren Ursprung in den legendären Berliner Hansa Studios nahmen. Politisch wurde es noch einmal, als Bono den Song “One“ anmoderierte: “Vor zwanzig Jahren seid auch Ihr eins geworden.“ 

Stau und S-Bahnchaos

Nach dem regulären Konzert kehrten die irischen Rocker für weitere drei Songs auf die Bühne zurück. Der Klassiker “With Or Without You“ ließ das Olympiastadion ein letztes Mal erbeben. Als sich die Band von den jubelnden Massen verabschiedete, gewannen irdische Probleme schnell wieder die Überhand, denn für die Heimfahrt standen weder Raumschiff noch S-Bahn bereit. Wer wegen der massiven Verkehrsbeeinträchtigungen dennoch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist war, dem blieb nur eins: die U2.

ap

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