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Udo Jürgens.

Konzertkritik

Udo Jürgens erfüllte einfach alle Wünsche

München - Man stelle sich vor, Udo Jürgens spielt „Griechischer Wein“ - und keiner singt mit. Es war einer der intensivsten und schönsten Momente des knapp dreistündigen Konzerts am Freitagabend in der ausverkauften Münchner Olympiahalle.

Doch zunächst kehrt Jürgens nach einem eher nachdenklichen und ruhigen ersten Teil (wir berichteten) und halbstündiger Pause mit deutlich mehr Schwung „Hautnah“ zu seinem Publikum zurück. Die Konzerte des 80-Jährigen folgen schon lange einem festen Ritual,  das  er selber nicht nur kultiviert, sondern auch charmant ironisiert. „Lasst mich noch diese zwei Lieder spielen“, bittet er sein Publikum sitzen zu bleiben, „und dann  passt  auf,  dass hier vorne nichts passiert, das wollen wir ja alle nicht“. Irgendwie scheint er doch älter geworden.

Dass er aber immer noch frech, bissig und provozierend sein kann, beweist sein grandioser neuer Song „Der Mann ist das Problem“, mit dem er den Protestierer vor der Halle (wir berichteten) freundlich grüßen und das Publikum drinnen rocken lässt. Dann gibt es endlich „Griechischen Wein“, jenes zum Gassenhauer und Partyknaller mutierte Lied, dem Jürgens an diesem Abend in seiner melancholischen Interpretation fast so etwas wie Würde zurückgibt – bevor er ein erlösendes „Und jetzt alle!“ in den Saal ruft, in dem es schlagartig kein Halten mehr gibt. Bis in die obersten Ränge springen die Zuschauer von ihren Plätzen, und wer kann, rennt Richtung Bühne.

Es geht nach New York, in die Konditorei und im rasanten Medley durch die ersehnten Oldies. Mit einem herrlich bösen „Merry Christmas allerseits“ verlässt Jürgens schließlich die Bühne, um schnell im weißen Bademantel wieder aufzutauchen. Nein, es bleiben keine Wünsche offen, bis auf den einen: dass aus der 66 eine 88 werde, denn dann ist bekanntlich „noch lange nicht Schluss“.

Nicole Langenbach

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