Über dem Abgrund des Absurden

- Nein, was haben wir wieder gelacht! Das ist eben die Extraqualität des Vicco von Bülow: dass man seine Spotlights aus dem real-absurden deutschen Alltag von Blöhmanns, Hoppenstedts & Co. schon (fast auswendig) kennt - und doch noch mal lachgeschüttelt schief im Sessel liegt: "Loriots dramatische Werke", nach 1993, 1995, 2001, in neuer Szenen-Auswahl in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof - eine Reverenz vor dem Jubilar zu seinem 80. Und für die Zuschauer natürlich wieder eine Stunde der laserscharfen Wahrheit.

<P>Denn Loriot lässt uns - bloß über die Umwegschleife seines gütig-grau blinzelnden Humors - direkt in den eigenen Spiegel schauen. Schlagender Realitätsbeweis: Zwängen sich doch tatsächlich drei Zuspätkommer mit Pardon und Entschuldigung in ihre Parkettreihe, während auf der Bühne Loriots "Konzertbesucher" gerade solches auch tun.<BR><BR>Und so heiter es beginnt, so flott geht es über Charleston & Ragtime-beschwingte Umbauhantierung und per Video eingespieltes, chaotisch buntes Kulissenleben weiter: mit "sprechendem Bello", einer über sämtliche Phonetikfallen stolpernden Brit-Krimi-Ansagerin und der am Kinn twistenden "Spaghetti" - bauchmuskelzwickende Lachnummern, die sich abwechseln mit den klassischen Gatten-Ritualen.</P><P>In diesen ehelichen Versatzstück-Streitereien, die sich vom konkreten Gesprächsobjekt (z. B. "Abendkleid") hinaufschäumen zum existenziellen Unterschied zwischen Mann und Frau, schaffen Werner Haindl und Simone Solga den speziellen Balanceakt Loriotscher Komik über dem Abgrund des Absurd-Ernsten - ohne Loriot und Evelyn Hamann hinterher zu hecheln. War auch sichtbar nie Absicht von Regisseur Stefan Zimmermann: Zwischen Probeschlafmatratzen und Konfektionsstangen (Thomas Pekny), in Outfits der pfiffig vollendeten Spießigkeit (Grögler/ Stützinger) zeigen in mehreren Rollen viel Comic-Individualität noch Friedrich Graumann, Ingeborg Kallweit, Bert Müller-Kopp und Matthias Klösel.</P><P>Tel. 089/ 29 16 05 30. <BR></P>

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