Über das irdische Leben hinaus

- Als die Münchner Philharmoniker ihre aktuelle Konzertserie konzipierten, konnte im Gasteig niemand ahnen, welche dramatische Entwicklung die weltpolitische Situation nehmen würde. Mit Paul Hindemiths SYmphonie "Mathis der Mahler" und Bruckners 9. Symphonie d-moll stehen zwei Werke auf dem Programm, von denen das eine mit einem Sieg über die Anfechtungen des irdischen Daseins endet, das andere ist von Bruckner "dem lieben Gott" gewidmet .

Der Italiener Daniele Gatti, seit 1998 regelmäßiger Gast am Pult der Philharmoniker, hatte jedoch Mühe mit beiden Werken. Hindemiths "Mathis"-Symphonie, die in ihrer Anlage den drei Bildern des berühmten Isenheimer Altars von Matthias Grünewald zugeordnet ist, gelang zwar im ersten Satz mit großem symphonischem Bogen, fand im zweiten zur feingliedrigen Dichte und schloss mit kontrastreichem Elan. Doch mochte sich der Gefühlszustand, den diese drei Sätze beschreiben, nicht so recht erschließen. <BR><BR>Wenn es um Bruckners Neunte geht, profitieren die Münchner Philharmoniker in Punkto Stilsicherheit durchaus von ihrer langjährigen Celibidache-Erfahrung. Dennoch klang die einst von Bruckner Gott gewidmete Symphonie so unentschlossen, dass sein zweifelnder Zusatz "wenn er sie annimmt" angebracht erschien. In einzelnen Abschnitten sehr schön musiziert, fehlte allen drei Sätzen eine innere Spannkraft und Tiefendimension. Selbst das eindringliche Scherzo mit seinem futuristischen Stampfrhythmus gelang zu zaghaft, so wie es Gattis gesamtem Dirigat an Entschiedenheit fehlte. Hinzu kommt ein fast schon physisch tief empfundener Schmerz durch das auffallend scharf gespielte Blech.<BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Die Jubiläums-Saison hat es in sich: Zum zehnten Mal bietet der Münchner Merkur mit dem BR-Symphonieorchester ein Konzert-Abonnement an.
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Sunrise Avenue sorgen für Pop-Rock-Party auf dem Königsplatz und machen Fans selig
Am Freitagabend wurde Münchens Innenstadt mit hörbarer Spielfreude auf die finnische Art beschallt - denn die nordische Band Sunrise Avenue brachte den Königsplatz zum …
Sunrise Avenue sorgen für Pop-Rock-Party auf dem Königsplatz und machen Fans selig
David Lynch – Hollywoods Rätselhaftester
Die Münchner Galerie Karl Pfefferle zeigt Lithografien und Holzschnitte des Künstlers und Filmemachers David Lynch (“Twin Peaks“). Wir haben die Ausstellung im …
David Lynch – Hollywoods Rätselhaftester
Waltraud Meier: „Ich will intelligent gefordert werden“
Ein letztes Mal kehrt Waltraud Meier zu den Bayreuther Festspielen zurück - nach 18 Jahren Abstinenz. Ein Gespräch über ihr Comeback, den Abschied von Rollen und über …
Waltraud Meier: „Ich will intelligent gefordert werden“

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.