Überaus kostbare Stimmen

Oberammergau - Die Sänger-Stars Renée Fleming und Rolando Villazón wurden im Oberammergauer Passionstheater von rund 5000 hingerissenen Zuhörern bejubelt. Das Konzert mit Opernarien und Musicalsongs am Samstag wurde für beide Künstler zum Triumph.

Manchmal fragt man sich schon, welchen anderen Beruf Rolando Villazón wohl sonst noch hätte ergreifen können, wenn es mit der Sängerkarriere nichts geworden wäre? Denn dass dieser Mann einfach auf die Bühne gehört, machte er jetzt bei seinem Auftritt im Passionstheater von Oberammergau wieder mehr als deutlich, wo er am Wochenende gemeinsam mit Renée Fleming die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hinriss. Und natürlich gab er auch hier wie gewohnt den sympathischen Spaßvogel, der gleich beim ersten Auftritt mit einer schwungvollen Drehung das Mikro abzuräumen droht und am verwaisten Schlagzeug nicht ein einziges Mal ruhig vorbeigehen kann, ohne sich selbst mit einem kleinen Tusch anzukündigen.

Villazón genoss den Jubel des Publikums dabei sichtlich, bewies aber ebenfalls genügend Selbstironie, um ein begeistert dazwischenfahrendes "Viva Rolando" aus den hinteren Reihen mit einem peinlich berührten "Danke Mama" zu beantworten. Die Zuneigung seiner Fans musste er sich jedoch nicht erst mit solchen kleinen Späßen erschwindeln. Denn nach einer selbst verordneten Auszeit vom Opernbetrieb schien der mexikanische Tenor nun endgültig wieder zu seiner alten Form zurückgefunden zu haben und belohnte die Zuhörer bei den Auszügen aus Giacomo Puccinis Opern "Tosca" und "La Bohème" mit sicheren Spitzentönen. Mit Georg Friedrich Händels "Ombra mai fu" wagte er sich sogar in bisher für ihn eher fremdes Terrain vor, bei dem neben purer Stimmkraft vor allem gestalterische Fähigkeiten gefragt sind.

Stilistisch hatte ihm seine Partnerin Renée Fleming hier trotz einiger Manierismen freilich noch einiges an Erfahrung voraus. Und dies wusste Fleming bei ihren dezent angegangenen Händel-Koloraturen auch klug auszuspielen, ehe sie mit der berühmten Arie aus Alfredo Catalanis "La Wally" tief in die Gefilde des italienischen Verismo eintauchte. Selbst wenn die Amerikanerin beim Konzert offiziell den Platz von Anna Netrebko übernommen hatte, verbietet es sich bei einer Künstlerin ihres Ranges von selbst, das Wort Ersatz in den Mund zu nehmen. Nennt doch auch Renée Fleming eine überaus kostbare Stimme ihr Eigen, deren warm leuchtende Höhe manchmal sogar fast noch besser mit dem dunklen Timbre von Villazón harmonierte.

Dies zeigte sich besonders im großen Duett aus Jules Massenets Werk "Manon", einer Oper, mit der beide bereits des Öfteren auf der Bühne Triumphe feiern konnten und hier noch einmal eine imposante Kostprobe ihrer jeweiligen Rollenporträts abgaben. Zusätzliche Unterstützung kam dabei von Emmanuel Villaume, der gemeinsam mit dem versierten Münchner Rundfunkorchester einen gekonnten Spagat zwischen Barock und Musical-Nummern hinlegte und als zuverlässiger Partner der Sänger seinen Teil zum Gelingen des Abends beitrug.

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Ab 8. 8. wird jeweils Fr./Sa. Stückls "Jeremias"-Inszenierung wieder aufgenommen. Karten: 088 22/ 92 31 58.

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