Auf der Überholspur

- Ausgelassen, fast zu diesseitig singt der Chor die erste Nummer. Aber bei "Himmelskönig, sei willkommen", der Kantate zum Palmsonntag, war ja - bibelhistorisch gesehen - noch alles in Ordnung. Das Stück ist eine der Trouvaillen unter John Eliot Gardiners neuen Bach-Einspielungen. Nichts weniger als alle Kantaten auf CD hat er sich vorgenommen. Die Mitschnitte existieren seit 2000, nur so lässt sich der hohe "Ausstoß" erklären. Mittlerweile ist er bei den Kantaten zum zweiten und vierten Sonntag nach Epiphanias sowie zu Quinquagesima (letzter Sonntag vor der Fastenzeit) und Palmsonntag angelangt.

Ton Koopman und Masaaki Suzuki, die Kollegen mit demselben Projekt, überholt Gardiner locker. Nicht nur mengenmäßig: Chor und Orchester agieren bei ihm mit unschlagbarer Präzision und Finesse, ebenso Edel-Stilisten wie Peter Harvey (Bass) oder Joanne Lunn (Sopran). "Swinging Barock" oder emotionsarme Betrachtung gibt's bei den Briten nicht. Gardiner lässt mit großem Nachdruck musizieren, manchmal sehr dramatisch, bietet weit ausgereizte Dynamik und ein starkes rhythmisches Profil. Und er stellt immer den Aspekt der Verkündigung in den Mittelpunkt. "Meine Seufzer, meine Tränen", "Ach wie flüchtig", aber auch alle anderen elf Kantaten sind Modell-Deutungen.

Johann Sebastian Bach: Kantaten Vol. 19 & 21, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner (SDG).

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