Überlebenskampf des Denkens

- Mit dem Auftritt von Kathrin Passig wurde sehr schnell alles klar beim diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb im österreichischen Klagenfurt. Am letzten Tag der Lesungen, Samstag, gab es noch einmal heftige Jury-Debatten und Verrisse.

Sie trafen besonders massiv die Berliner Autorin Ina Strelow, die mit einer höchst künstlichen Sprache die Debattanten in gnadenloser Kritik einte. Einigkeit aber auch in der Begeisterung der strengen Literatur-Richter. Denn die Lesung von Kathrin Passig machte schnell klar: Sie ist die absolute Preis-Favoritin. Und so kam es denn gestern auch: Die in Deggendorf geborene und in Berlin lebende 36-Jährige hat den 30. Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Sie erhält die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung für ihren Text "Sie befinden sich hier", den auch das Publikum prämierte.

Passig erzählt darin von einer Figur, die sich im Riesengebirge verirrt und langsam im Schnee erfriert: eine nicht näher bestimmte Person, die sich aus einer existenzbedrohenden Situation mit lexikalischem Wissen und Ironie zu retten versucht.

Die Jury lobt den Text Kathrin Passigs als "ungewohnt witzig", als "kluge und komische Geschichte vom Nicht-Überleben" und präzise Schilderung vom "Überlebenskampf unseres Denkens und Erzählens". Passig setzte sich mit ihrem Beitrag gegen 17 weitere Bewerber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch.

Bei dem dreitägigen Wettbewerb im ORF-Theater Klagenfurt lesen Autoren, die bereits literarische Texte publiziert haben, auf Einladung eines der neun Juroren aus bislang unveröffentlichten Texten. Die Jury debattiert im Anschluss an die Lesungen über die vorgestellten Beiträge und entscheidet in offener Abstimmung über die Preisträger. Die Verleihung des 30. Preises fiel auf den Tag, an dem die Namensgeberin Ingeborg Bachmann 80 Jahre alt geworden wäre. In Gedenken an die aus Klagenfurt stammende Dichterin (1926-1973) war der Wettbewerb 1977 ins Leben gerufen worden. Insgesamt wurden in diesem Jahr fünf Preise im Gesamtwert von 54 500 Euro vergeben.mm

Internet: http://bachmannpreis.orf.at

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