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Wehe, wenn sie sich aufregt – über Benzinpreise, Neonazis oder deutsche Panzerlieferungen an Saudi-Arabien: Dann ist Lisa Fitz kaum zu halten und schimpft herzerfrischend und ohne platt oder ordinär zu wirken.

Übermama aller Lemminge

München - Lisa Fitz stellte im Münchner Schlachthof ihr neues Programm „Mut - Vom Hasen zum Löwen“ vor.

Wer hat ihr bloß dieses „Gedanken-für-jeden-Tag“-Büchlein geschenkt? Es muss ein wahnsinnig guter Freund von Lisa Fitz gewesen sein, sonst hätte sich die Kabarettistin in ihrem neuen Bühnenprogramm „Mut - Vom Hasen zum Löwen“ sicher nicht fast ausschließlich auf diese unzähligen, superschlauen Sprüche verlassen. Diese einfach nur auswendig zu lernen, hilft allerdings nicht viel, Fitz hätte den einen oder anderen auch ruhig beherzigen sollen. Manchmal ist die eigene Kreativität einfach motivierender, spannender und unterhaltsamer - wie Fitz, Gott sei Dank, bei der Premiere im Münchner Schlachthof vor allem in der zweiten Hälfte des Abends bewiesen hat.

Man mag es wegen der Lack-Peeptoes, dem jedes Gramm exakt nachzeichnenden Blazer und der ebenfalls schwarzen, selbstredend knallengen Lederhose nicht glauben, aber Lisa Fitz ist ein alter, gefeierter Hase im Kabarett-Geschäft. Die mittlerweile 60-Jährige kennt sich aus, schreibt ihre Bühnenprogramme vermutlich im Schlaf.

Aber offenbar hat beim vielen Grübeln für das 15. rund um das Thema „Mut“ und seine Auswüchse wie Wagemut, Wermut & Co. der so vielgepriesene irgendwann die Biege gemacht. Wie sonst lässt es sich erklären, dass ein Profi wie Fitz lieber ständig andere kluge, aber leider auch meist bereits verstorbene Köpfe wie Goethe, Schiller oder gar Katharina die Große sprechen lässt und deren Zitate dann auch noch mit ollen Kamellen verbindet? Ja, Männer lieben ihr Mimosen-Dasein im Krankenstatus, Frauen Schuhe, Söhne ihre Mamas, Angela Merkel ihre Hosenanzüge. Das wissen wir alles, ist tausendfach durchgekaut worden. Also warum denn noch mal von vorne?

Dabei kann Lisa Fitz auch anders. Kann ein großartig umgetextetes „Vaterunser“ für die Internetgeneration vorbeten, kann sich herzerfrischend aufregen über Benzinpreise, Neonazis („Du Armer, hast es auch nicht leicht: erst die Chemo und dann noch die orthopädischen Schua.“) und vor allem über Merkels Wende bei der Panzerlieferung für Saudi-Arabien. Ohne Kalauer, ohne platt oder ordinär zu sein, macht sie das, und das macht sie gut. Dann kommen ihre Seinen-Mann-Stehen- oder Frau-Sein-Appelle auch beim Zuhörer an, sind nicht bloß (teils mit extremen Texthängern) aufgelistete Floskeln. Schließlich genießt Fitz es sichtlich, endlich mal wieder vor Wut schnaubend, stampfend und schreiend auf der Bühne zu stehen und sich wie eine Übermama aller Lemminge aufzuführen, die sich über jede kleine Ungerechtigkeit aufregt und für Randgruppen starkmacht.

Aber Hitler Recht geben? Gewagt, liebe Frau Fitz. Im Nachsatz hat sie, ganz Polit-Kabarett-Profi, dann doch noch die Kurve gekriegt. Und die Zuschauer hatten Diskussionsstoff für den Heimweg.

Von Angelika Mayr

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