Übermütig in Sachen Liebe

- Was für ein Kuddelmuddel: Alle lieben, nur keiner den, der ihn auch liebt. Das ist - zumindest oberflächlich betrachtet - die Ausgangsposition im Dramma giocoso "La finta giardiniera". Der 19-jährige Mozart vertonte es 1775 für den Münchner Fasching, und die Bayerische Theaterakademie machte daraus eine Geburtstags-Gaudi für den seit 250 Jahren jungen Schöpfer. Im Prinzregententheater hatte die deutsche, noch von Mozart autorisierte Spielfassung (1779/80) von Johann Franz Joseph Stierle umjubelte Premiere. Als Koproduktion mit dem Theater Ingolstadt, dem Georgischen Kammerorchester, dem Mainfrankentheater Würzburg und der Münchner Musikhochschule.

Jung, übermütig und in Sachen Liebe ganz nah dran an den von Mozart so sensibel in Töne gefassten Irrungen und Wirrungen agierte das Studentenensemble, mit dem Dirigent Markus Poschner und Regisseur Christian Pöppelreiter wuchern durften. Nicht nur die Sprechdialoge und das in den Arien perfekt verständliche Deutsch, auch die bildschönen, pfiffig charakterisierenden Kostüme halfen das Verwirr- und Verkleidungsspiel rasch zu durchschauen. Pöppelreiter setzte ganz auf die Spielfreude seiner Truppe und entfachte eine Turbulenz, die selbst in den Rampen-Arien munter fortwirkte. Köstlich, wenn Belfiore seine Auftrittsarie mit rotem Schal von der Leiter herab singt und der Braut rote Rosen streut. Arminda, die unterm Hochzeitskleid feuerrote Rokoko-Dessous trägt, geht dem Verdatterten unverblümt an die Wäsche, und auch das Diener-Paar Serpetta und Nardo kommt sich nicht nur bei Kopf- und Fußwäsche näher.

Turbulent und trotzdem nicht zugegagt, flog die lockere Buffa dahin. Doch wenn Mozart dann Seria-Töne anschlägt, um der Verzweiflung Ramiros oder der Gärtnerin und der Wut Armindas Gestalt zu geben, verkam manches zum Klamauk. Gekonnt deutete Pöppelreiter allerdings auf "Giovanni" ("Ständchen"), "Figaro" (nächtliche Verwirrung) oder "Così`" (wenn Graf und Gärtnerin sich endlich finden) hin und bestätigte, dass Mozart schon hier die Weichen stellte für die späteren Buffo-Wunder.

Markus Poschner sorgte am Pult des zwar nicht immer ganz homogen, dafür aber mit Temperament und schönem Holzbläser-Einsatz musizierenden Georgischen Kammerorchesters für die ausgewogene Begleitung der zarten Stimmen. Gesangstechnisch und stilistisch konnten sich die Studenten - die der Premierenbesetzung stammten aus den Klassen von Gabriele Kaiser, Frieder Lang, Edith Wiens und Maria de Francesca-Cavazza - hören lassen. Die vier Soprane überraschten mit spezifischen Farben: Anna Borchers als Sandrina mit silbrigem Zwitschern, Sophia Brommer als Arminda mit selbstbewusstem Leuchten, Roxana Constantinescu als Ramiro mit verführerischem Mezzo-Schmelz und Sibylla Duffe als Serpetta mit Empfindsamkeit. Als Graf Belfiore gefiel Markus Durst mit beweglich-hellem Tenor; Thomas Helm lieferte als Don Anchise die markantere Variante, und Ivan Orescanin steuerte als Nardo beste baritonale Buffo-Qualitäten bei.

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