Überraschung aus Rimini

- Enrico Pace - nie gehört. Er war als Pianist in Brahms' zweitem Klavierkonzert angekündigt, das den Höhepunkt im Konzert der Münchner Philharmoniker bilden sollte (Gasteig). Zugegeben, man war nicht sonderlich gespannt. Doch der 36-jährige Italiener aus Rimini sorgte für eine Überraschung und erspielte sich mit Bravour und Musikalität einen Platz im Gedächtnis.

<P>Zusammen mit dem wie stets temperamentvoll zupackenden Yakov Kreizberg und den vorzüglich aufgelegten Philharmonikern gelang eine durch und durch spannende, im hier von Brahms geforderten sinfonischen Miteinander von Orchester und Solist restlos überzeugende Wiedergabe: Schon im Kopfsatz mit seiner vom Klavier dominierten Exposition bekannte Pace Farbe in der Akkordwucht wie im Geschmeidigen. Obwohl die rhythmischen Schroffheiten durchaus betont wurden, wirkte der Satz wie aus einem Guss.</P><P>Aufs kompakte Scherzo folgte ein vom inbrünstigen Sologesang des Cellos ("Immer leiser wird mein Schlummer") eröffnetes Andante, in dem Pace das Klavier mit schönem Ton zart und ruhevoll aussingen ließ. Trotz des fast stehenden Klangs riss die Spannung nicht. Das rondohafte Finale mit seinem tänzerischen Elan zeugte noch einmal von einer äußerst glücklichen Symbiose zwischen Solist, Dirigent und Orchester.</P><P>Warm gespielt hatten sich die Philharmoniker mit der dritten Symphonie in d-moll des Dänen Carl Nielsen. Trotz des tönenden Imponiergehabes und der sieghaften Kraftmeierei dieser 1911 vollendeten Symphonie, beeindruckten Nielsens handwerkliche Sicherheit, sein Ausreizen der Tonalität und das völlige Absorbieren der beiden Gesangsstimmen (Christina Landshammer, Sopran, und Jordan Shanahan, Bariton) im Instrumentalklang des Andante pastorale.</P><P>Die Philharmoniker genossen es hörbar, sich austoben zu dürfen, und Kreizberg behielt ordnend die Oberhand. Großer Applaus, vor allem nach der Brahms-Überraschung.</P>

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