Münchner (53) brutal zusammengeschlagen - Täter flüchtig

Münchner (53) brutal zusammengeschlagen - Täter flüchtig

Die Übersetzung spielte mit

- Es ist nur eine Randerscheinung im Festivalgetriebe, nur ein Video zwischen rund 20 Theatervorstellungen, und würden die Bilder des Films "Death in Dallas" nicht so magisch in ihren Bann ziehen und sein Ton, das Zetern einer einsaitigen Gusla und das Leiern eines Sängers, nicht so durchdringend durch das Theatergebäude scheppern, dann würde diese beiläufige Installation im belebten Foyer fast untergehen. Dabei ist dieses Werk des serbischen Künstlers Zoran Naskovski ein überaus deutliches Sinnbild dessen, was beim 49. Theaterfestival im serbischen Novi Sad, Hauptstadt der autonomen Provinz Vojvodina, stattfindet.

<P>Das Video konfrontiert die Bilder der Ermordung und Bestattung John F. Kennedys - zwei immer wieder ineinander übergehende Prozessionen - und die ins kollektive Gedächtnis eingegangenen Momentaufnahmen vom salutierenden kleinen John oder der beim Attentat aufs Wagenheck flüchtenden Jacqueline Kennedy mit einer traditionell mündlichen, epischen Erzählweise des Balkans. Ebenso spannungsvoll und kontrastreich stellt nämlich das Festival "Sterijino Pozorje" Tradition und Gegenwart des serbischen Theaters den Entwicklungen internationaler Dramatik gegenüber. Aber das war nicht immer so: Jahrzehntelang blieb das 1956 ins Leben gerufene Festival ein nationales, sollte als wichtigster Theaterwettbewerb im damaligen Jugoslawien auch künstlerisch eine nationale Identität stiften. </P><P>Spontane Entscheidung für eine zweite Vorstellung<BR><BR>Nach den jüngsten Balkankriegen hatte es also seine ureigenste Aufgabe verloren. Ivan Medenica, sein künstlerischer Leiter, bemüht sich seit dem vergangenen Jahr erfolgreich um ein neues Konzept: "Denn wer gehört heute zu unserem nationalen Theater - der in Belgrad lebende ungarische Autor oder der kroatische Dramatiker in Zagreb?" Deshalb hat Medenica, früher schärfster Kritiker des auf Innensicht beschränkten Bühnenfests, neben dem eigentlichen Wettbewerb zwischen internationalen Inszenierungen serbischer Autoren, eine zweite Veranstaltungsreihe eingeführt. <BR><BR>Inspiriert durch das aktuelle Stück der serbischen Autorin Biljana Srbljanovic "America, Part Two" sind hier die "Bilder Amerikas im modernen Theater" das Thema. "Die Erregung", ein Stück des Münchner Autors Albert Ostermaier über einen Wall Street-Banker, der dem richtigen Leben entrückt ist, war da etwa als sehr fantasievoll choreographierte Aufführung von Anja Susa zu sehen. Und: Peter Wittenbergs Münchner Inszenierung von Neil LaButes "Tag der Gnade" mit Sibylle Canonica und Marc Oliver Schulze in den Hauptrollen. Katharina Ciric, die seit Jahren liebevoll die internationalen Verbindungen des Theaterzentrums mit seinen Archiven, einer Zeitschrift und Buchveröffentlichungen pflegt, hat den Kontakt hergestellt.<BR><BR>Mit 23 Personen und einer Lkw-Ladung Dekoration reiste das Bayerische Staatsschauspiel nach Novi Sad, um dort die Beziehungskrise eines Paares aufzuführen, das von den Anschlägen des 11. Septembers profitieren könnte, sich aber auf der Suche nach den wahren Gefühlen, verschärft noch durch die Ausnahmesituation, völlig auseinander diskutiert. Um die Münchner Räumlichkeiten nachzuempfinden, musste in Novi Sad die Hinterbühne leergeräumt werden. Jürgen Höfer, Künstlerischer Direktor des Staatsschauspiels, hat diesen schönen Raum aktiviert, von dem die Theaterleitung in Novi Sad so begeistert ist, dass er vielleicht weiter bespielt wird. <BR><BR>Nur ansatzweise war freilich das Sprachproblem zu lösen, obwohl die Simultandolmetscherin spürbar hervorragend arbeitete. Der Witz einzelner Sätze etwa übertrug sich, leicht zeitversetzt, sehr gut, wenn auch bei der Übersetzung die subtile Färbung der Sätze für den Zuschauer verloren gehen muss. "Wir spielten eigentlich zu dritt", sagte Sibylle Canonica, "und man spürt das Publikum immer sehr genau, auch in einem Land mit fremder Sprache." So hatte sie sich auch über die besonders gespannte Aufmerksamkeit gefreut, die man der Aufführung schenkte. Und weil die Kartennachfrage so groß war, hatten sich Canonica und Schulze kurzerhand bereit erklärt, das Stück gleich zweimal in Folge zu spielen. Bei einer Pressekonferenz wurden die beiden Schauspieler denn auch mit Komplimenten überhäuft, vor allem die hohe Schauspielkunst Canonicas fand viel Lob.<BR><BR>"Das Publikum aus Novi Sad kommt, um die TV-Stars aus Belgrad zu sehen, das Publikum aus Belgrad kommt, um die Größen anderer Länder zu sehen", fasst Medenica die Attraktivität des Festivals zusammen. "Und manch einer unserer hiesigen Stars muss auch seine Unterlegenheit erkennen. Der internationale Vergleich ist wichtig", betont er. Auf- und Umbruch in dem konfliktgebeutelten Land sind indessen allerorten zu erleben: bildlich in aufgerissenen Straßen, wo Leitungen für die Heizung verlegt werden, und atmosphärisch in einem Theater voller junger Leute, die dabei sein wollen, wenn im Kulturleben Serbiens und im ästhetischen Schaffen neue Wege beschritten und internationale Kontakte geknüpft werden.<BR><BR><BR><BR></P>

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