Nie übertrieben weihevoll

- Auch wenn es beide Seiten vielleicht nicht gerne zugeben werden, ab und zu blitzt die alte Rivalität zwischen München und Bayreuth doch immer mal wieder ein klein wenig durch. Und so ist es mehr als nur eine interessante Pointe, wenn Dirigent Adam Fischer den "Parsifal" in diesem Jahr nicht nur auf dem Grünen Hügel leitet, sondern kurz davor auch im Nationaltheater für Wagners Weltabschiedswerk in den Graben steigt.

Gedanklich schien der Maestro dabei aber manchmal wohl schon in Bayreuth zu weilen. Denn vieles, was im Fränkischen durch den berühmten Schalldeckel gedämpft wird, schwappte an der Isar zunächst noch etwas laut und undifferenziert ins Parkett. Doch auch dieses Problem hatte Fischer bald im Griff und vermochte mit seiner getragenen, dabei nie ins übertrieben Weihevolle abdriftenden Interpretation gerade im dritten Akt auch manch szenische Leerstelle zu füllen, die Peter Konwitschnys einst so skandalöse Produktion bei aller Wertschätzung inzwischen doch offenbart.

Erfreuliches auch auf Seiten der Sänger, sieht man einmal ab von Juha Uusitalo, dessen Amfortas mit fahler Stimme und mangelnder Durchsetzungskraft nicht nur gegenüber seinem Alter Ego Klingsor, dem Egils Silins seine markante Stimme lieh, den Kürzeren zog. Ebenso wie der sieche Gralskönig auf seinen Erlöser hatte auch die Münchner Produktion lange auf einen adäquaten Titelhelden warten müssen, den man nun in Christopher Ventris gefunden hat. Einem Tenor, der den Tücken dieser kurzen aber nicht zu unterschätzenden Partie nie mit bloßer Kraft begegnete, stattdessen singend zu gestalten wusste und auf die Tragfähigkeit seiner hell timbrierten Stimme bauen konnte. Qualitäten, mit denen er besonders in der Szene des Karfreitagszaubers überzeugte, wo er mit Matti Salminen einen Partner zur Seite hatte, der als Gurnemanz seine langjährige Erfahrung im Wagnerfach einbrachte.

Bleibt Violeta Urmana als Kundry, die nach dem Wechsel in Soprangefilde zu einer ihrer ehemaligen Paradepartien zurückkehrte und eine wahrlich festspielwürdige Leistung bot, die den Abend zu weit mehr als nur einen bloßen Probelauf für die Bayreuther Aufführung werden ließ.

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