Überzeugender Titelheld

- Lange hatte man warten müssen auf das Münchner Debüt von Christian Franz. Doch nach Auftritten in Berlin, Wien und Bayreuth war der Tenor nun erstmals auch am Nationaltheater zu hören und erwies sich als der vielleicht überzeugendste Titelheld, der bislang in Peter Konwitschnys unkonventioneller Deutung von "Tristan und Isolde" zu erleben war.

Franz ging die Sache dabei von der lyrischen Seite her an, was gerade im großen Liebesduett des zweiten Aktes nicht seine Wirkung verfehlte. Aber mit solchen Qualitäten allein ist der mörderischen Partie eben auch nicht beizukommen. Sicher, der Tenor verfügt auch über die nötigen heldischen Töne, doch tastete er sich vor allem zu Beginn nur zaghaft an diese heran. Aus sich heraus ging Franz erst in den Fieberfantasien des dritten Aufzugs, die wohl nur wenige Kollegen derart mühelos über die Rampe bringen dürften.

Konwitschny gönnt seinen Titelhelden ein Happy End, lässt sie Hand in Hand von der Bühne abtreten. Dass es auch für die Zuhörer ein versöhnliches Ende wird, ist nicht zuletzt das Verdienst von Waltraud Meier, deren große Erfahrung mit der Partie der Isolde in jeder Note spürbar ist. Sie hat sich diese Rolle ganz zu Eigen gemacht und verkörpert die irische Prinzessin mit einer kaum zu überbietenden Intensität.

Keinen guten Abend hatte Wolfgang Brendel, der als Kurwenal sein Heil vornehmlich in wenig differenziertem Einheitsforte suchte. Besser bestellt war es dagegen um den routinierten Jan-Hendrik Rootering in der Rolle des König Marke und um Petra Lang als Brangäne, von deren sicher geführter Stimme man sich nur an mancher Stelle etwas mehr Farben wünschen würde.

Solche Nuancen aufzuspüren gelang Zubin Mehta. Wenn er auch zu Beginn manchmal Leidenschaft mit Lautstärke zu verwechseln schien, trug der Dirigent seine beiden Protagonisten im zweiten Akt förmlich durch ihre Partien und lief vor allem im letzten Aufzug zu großer Form auf.

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