Überzeugungskraft der Altmeister

- Die Supertanker machen sich fit für die Alte Musik. Die BR-Symphoniker haben dazu Thomas Hengelbrock als Trainer engagiert, bei den Münchner Philharmonikern übernimmt diese Aufgabe seit einiger Zeit Frans Brüggen. "Altmeister" klingt zwar ungalant, doch der Niederländer ist immerhin seit den 60er-Jahren als Flöten-Virtuose und Dirigent in Sachen Vorklassik unterwegs. Und die Erziehung hat Erfolg, nachzuhören nun bei Bachs Johannes-Passion im Gasteig.

<P>Brüggen ließ den Philharmonischen Chor in reduzierter (und verjüngter) Besetzung aufmarschieren, brachte sich offenbar eine eigene Continuo-Gruppe mit und hielt die Philharmoniker zu duftig-drucklosem Spiel an. Das Ergebnis: eine Deutung fernab jeglicher Gefühligkeit, ohne äußerliche Dramatik, dafür von einer Intimität und leiser Überzeugungskraft, die ab der ersten Sekunde bannte. <BR><BR>Mit dem überraschend verhaltenen Eingangschor schlich sich das Ensemble ins Geschehen. Tempi und Dynamik wurden auch im Folgenden nie überreizt. Brüggens Bach - wiewohl vital, mit kleinteiligen Phrasierungen - schien in sich zu ruhen. Und strahlte, trotz aller Anteilnahme, eine eigentümliche Unerschütterlichkeit aus. Am deutlichsten in den Chorälen: Die wurden zwar differenziert, doch dies immer natürlich, immer aus dem Sprechduktus heraus. So, als würde hier "nur" der Berichtston des Evangelisten auf die Volksmenge vergrößert. <BR><BR>Markus Schäfer sang diesen prononciert, mit wohldosierter Leidenschaft. Marcel Beekman kontrastierte dazu gut dank seines hellen, klug geführten, aber auch engen Tenors. Reinhard Mayr als stimmstarker, etwas zu abgedunkelter Christus ließ sich von Detlef Roth mit seinem verführerisch weichen Bariton die Schau stehlen. Wilke te Brummelstroete (Alt) passte am besten zu Brüggens ungekünsteltem Konzept. Und Sunhae Im, eine leicht körperlos, flirrend klingende Sopranistin, zeigte sich in der Freitagsaufführung unerschrocken: Nach einer Irritation musste sie eine Arie noch einmal beginnen. Wiewohl überhaupt Reibungsverluste auftraten, die Brüggen meist korrigierte. Dennoch der Beweis: Bach ohne Spezial-Solisten? Funktioniert doch wunderbar. <BR></P><P> </P><P> </P>

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