Üppig breites Strömen

- Symphonisches von Skrjabin gehört nicht gerade zum deutschen Konzert-Alltag. Umso erfreulicher, dass sich Paavo Järvi beim Abonnementkonzert der Münchner Philharmoniker dafür einsetzte. Alexander Skrjabins zweite Symphonie e-moll stand auf dem Programm. Ein Werk, das bei seiner Uraufführung 1902 in St. Petersburg der Kakophonie bezichtigt wurde. Heutzutage lässt sich die Symphonie problemlos goutieren. Zumal dann, wenn sie so süffig daherkommt wie bei den Philharmonikern: Sie verstehen sich auf das üppig breite Strömen, kosteten die effektvollen chromatischen Steigerungen genüsslich aus.

<P class=MsoNormal>Järvi hielt die durch ein "Leitmotiv" miteinander verknüpften Sätze elegant in Fluss und zündete rhythmische Belebungen. Selbst die Forteausbrüche mit Blech und Pauken klangen souverän ausbalanciert. Die pralle, sich im vierten Satz wild aufbäumende Musik endet in C-Dur-Getöse, das Järvi und die Streicher mit einem Hauch von Tschaikowsky-Eleganz bestäubten. Skrjabins Farbenspiel spürten Orchester und Dirigent im wunderbaren Mittelsatz nach, einem von Wagner inspirierten Idyll mit Messiaen'schem Vogelgezwitscher - fein intoniert von den Holzbläsern. Nach sämigem Cellogesang schraubte es sich effektvoll ins Ekstatische.</P><P class=MsoNormal>Vor diesem Großauftritt hatten sich die Philharmoniker in Zurückhaltung geübt. Denn Edward Elgars Cellokonzert von 1919 rückt den Solisten ins Zentrum. Mit Truls Mork war ein Interpret gewonnen, der dieses wehe Weltabschiedslied mit wunderbarer Ruhe und einem betörend schönen Ton eröffnete. Wie ein einsamer Sänger kostete er mit seinem Montagnana-Cello von 1723 das Melos seines Parts aus bis in die seidig-glänzenden Höhenlagen. Im zweiten, klanglich eigenwilligen, fast grotesk wirkenden Satz beeindruckten die engen Läufe und die lockere Bogenhand. Wie ausgehungert übernahm das Orchester im Finale das Cellothema, setzten die Holzbläser farbige Einsprengsel, bevor das Stück sich in einem schmerzlich schönen, bis in den Pianissimo-Stillstand getriebenen Gesang des Cellos auflöste. </P>

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