Üppiges für den Alltag

- Ein Schlafender, hingegossen in einer Efeulaube. Eine alte Frau tritt herbei, an Kopf und Hand eine Flamme, dahinter tiefes, dunkles Blau: "Die Nacht" in ihrer ganzen unheilschwangeren und mystischen Finsternis hat Peter Candid entworfen und wurde von Hans van der Biest ausgeführt _ als feinste Tapisserie 1612-14. Mit solchen Prachtstücken beeindruckte Kurfürst Maximilian I. seine Gäste. Lange schlummerten diese hoch empfindlichen Textilien in den Depots des Bayerischen Nationalmuseums München. Jetzt werden 70 Arbeiten aus Renaissance und Barock ansprechend in erstaunlich lichten Vitrinen und pompöser Hängung präsentiert.

<P>"Mit grossen Freuden, Triumph und Köstlichkeit" wurde 1568 die Hochzeit des bayerischen Herzogs Wilhelm V. mit Prinzessin Renata von Lothringen gefeiert. Diese salbungsvollen Worte einer Chronik, die auch den Prunk der Festsäle und Gewänder beschreibt, dienen als Titel der Ausstellung. Textiles nahm den gleichen Rang ein wie Gold und Silber, war Demonstration von Reichtum und Macht, stand an Kunstfertigkeit und Materialwert den anderen Gattungen in nichts nach. Schon der bestickte Prunksattel Maximilians (1630) oder die Falknerei-Utensilien zeigen üppigste Ausstattung im Alltag.</P><P>Die chronologische Präsentation schlüsselt die Techniken und Stilveränderungen zwischen 16. und 18. Jahrhundert auf, klärt Import- und Export-Bezüge sowie lokale Besonderheiten. Edelste türkische Teppiche waren am Hofe begehrt, nicht minder anschaulich demonstrieren die Tischteppiche aus der Schweiz bürgerlichen Dekorationswillen. Gleiches gilt für die Bildstickereien in Gold und Seide, teils mit Draht, Holz oder Modelliermasse unterlegt.</P><P>Ein Schild der Passauer Salzschiffer (1574) führt erzählerische Reliefpracht vor, ganz fein dagegen die Porträts der Kinder Wilhelms V. in Elfenbein- und Edelsteindosen (1576). Prunk, Präsentation und Mode gehen bei Adel und Bürgertum Hand in Hand. Bei den italienischen Seidengeweben reicht die Entwicklung der Granatapfelmuster des 16. Jahrhunderts über die aufgelösten Formen des 17. Jahrhunderts bis hin zu den kleinteiligen, teils mit Lochmustern versetzen Wämsern.</P><P>Während die Kleidung immer blumiger und durchbrochener wurden, gestaltete man die Dekorationsstoffe kontrastreich. Die Erfindung des Press-Samts erleichterte die Produktion. </P><P>Feinteilige Handarbeit hingegen blieben die wertvolle Spitzen: Hoch aufragende Halskrausen (mit Eisendraht) und die flachen, breiten Krägen und bauschigen Krawatten wenig später zeigen die Trends der Zeit _ die liturgischen Gewänder hingegen schimmern immer in Gold und Silber. Am schönsten aber sind die häuslichen Kleinodien wie das Nächkästchen des 17. Jahrhunderts, das liebevoll mit Blüten, Bäumen und Schwan verziert ist.</P><P>Bis 16. Februar. Katalog: 25 Euro.</P><P><BR> </P>

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