Üppiges Tanzfest

- Bei Sommerhitze und hochgradigem Fußballfieber hat so mancher in seinem Körper gewisse (Grenz-)erfahrungen gemacht. Und wäre damit bestens vorbereitet für Münchens Dance-Biennale (28. 10. bis 12. 11.), die unter dem Motto "Körper Sphären" eintauchen möchte in neue psycho-physische Ereignisfelder und Erfahrungswelten: Der Tänzer als Bewusstmacher/Vermittler des immensen Reichtums an Körperwissen.

Aber man muss dieses zehnte Jubiläums-Dance - in der Muffathalle, im Gasteig und anderen Spielorten - nicht unbedingt unter didaktischen Gesichtpunkten angehen. Was Kuratorin Cornelia Albrecht für die Stadt München und unterstützt von Partnern und Sponsoren mit 17 Produktionen, davon sechs Uraufführungen, hier präsentiert, könnte einfach ein üppiges Tanzfest werden.

Den Auftakt macht Dave St. Pierre mit der Kreation "Un peu de tendresse bordel de merde". Der Franco-Kanadier, der mit seiner "Seelen-Pornographie" noch in Erinnerung ist, forscht hinein in unsere zwischen Freundschaft, Erotik und Zärtlichkeit subtil differenzierende Gestensprache. Louise Lecavalier, einst wilde Star-Amazone von Montreals berühmten Lalalas, kommt nun als Chefin der Compagnie Fou Glorieux mit drei Stücken (2. 11.). Nach vielen Jahren gibt es auch ein Wiedersehen mit Belgiens Allround-Künstler Jan Fabre: "Quando l'uomo principale è` una donna" (4./5. 11.) und "Angel of Death" (7./ 8. 11.).

Gaststar Trisha Brown

Wieder als starker Dance-Partner erweist sich Münchens BallettTheater-Chef Philip Taylor: War es 2004 US-Altmeister Merce Cunningham, der mit seiner Company am Gärtnerplatz auftrat, so ist es heuer die große US-Postmoderne Trisha Brown mit Company (31. 10.). Hatte Cunningham sich vom kondifizierten Modern Dance Martha Grahams emanzipiert, befreite die Brown den Tanz von jeglicher Einengung. Interessant sicher auch die "Re-Enactments", die Wiederbelebungen von Browns Stücken aus den 60er-Jahren, die sie auf der Piazza von E.ON Energie zeigen wird.

Taylor ist diesmal auch selbst in das Dance-Programm eingebunden. Für seine Tänzer choreographieren schon die illustre Carolyn Carlson, gerade für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, und Richard Alston, maßgeblicher Tanzschöpfer für das London Contemporary Dance Theater. Mit Taylors "Geheiligter Raum" (neu für München) ergibt das einen Abend, der im BallettTheater-Repertoire bleiben wird. Und Ex-Taylor-Tänzer David Middendorp zeigt sein hier bereits bejubeltes Video-Tanz-Gedicht "Dreamsketch", das ihm auch jüngst die Choreographenlaufbahn eröffnete.

Kein Dance ohne Exkurse in andere Genres: Im Haus der Kunst kann man im Rahmen einer Retrospektive für den vor drei Monaten verstorbenen Happening-Begründer Allan Kaprow die Inszenierung seines "18 Happenings in 6 Parts" sehen (10. - 12. 11.). Im kleinen i-camp erfindet die Medienkünstlerin Tamiko Thiel eine virtuelle Reise in den "mythischen" Westen, in der sich der Westler einmal aus der japanischen Perspektive erleben kann.

Vorverkauf ab 15. 9., für Fabre und Lecavalier schon ab 22. 7., für Brown ab 16. 8.; www.muenchenticket.de, Tel. 089/54 81 81 81.

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