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Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz hofft auf einen besseren Umsatz nach dem Umzug nach Berlin.

Ulla Unseld-Berkéwicz: Suhrkamp Verlag bald in Berlin

Berlin - Die Verlage haben hart zu kämpfen. Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz erhofft sich wichtige Impulse von dem Umzug in die Landeshauptstadt.

 “Einen neuen Rahmen für die Geschichte, neue Arbeitsverhältnisse, die zu neuen Literaturformen führen und, wenn wir viel Glück haben, auch umgekehrt“, sagte die Witwe des 2002 gestorbenen Verlagschefs Siegfried Unseld der “Berliner Zeitung“ (Weihnachtsausgabe). Die Straßen der Hauptstadt seien breiter, “dort kann man vielleicht ein Stück aufrecht gehen und geradeaus, mal sehen“.

Rund Zweidrittel der etwa 160 Suhrkamp- Mitarbeiter ziehen mit an die Spree. Während bei anderen Unternehmen Betriebsverlagerungen genutzt werden, um Personal abzubauen, habe es für Berlin bereits Neueinstellungen gegeben, sagte Unseld-Berkéwicz. “Schon in den letzten Jahren von Siegfried Unseld war es nicht mehr leicht, qualifizierte Leute aus Städten wie Berlin, Hamburg, München dazu zu bewegen, in Frankfurt zu arbeiten. Das ist, so zeigt es sich jetzt, in Berlin deutlich anders.“

Die Berliner seien ein “resilienter Menschenschlag“, was so viel wie widerborstig und widerstandsfähig bedeute. “Das gefällt mir“. Eine Neukonzeption des Verlages wolle sie weniger an Begriffen (Substantiven) denn an Verben wie “anfangen, aufpassen, widersprechen, ändern, weitergeben“ ausrichten, sagte die Verlegerin. Neben Graphic Novels werde es auch eine “Wiederentdeckung des Theaters geben, an der wir uns so bemerkbar beteiligen, wie es dem Verlag Brechts ansteht, es wird neue Formen dessen geben, was die fantastische Bibliothek geleistet hat, wir werden Klassiker der Aufklärung gegen die Zerstreuungs- und Nivellierungsbedröhnung aufstellen.“

Der Suhrkamp-Verlag beginnt seine Arbeit am 4. Januar in Berlin, zunächst in einem Zwischendomizil im ehemaligen Finanzamt Prenzlauer Berg. Zwei Jahre später soll dann der neue und sanierte Verlagssitz im historischen Nicolaihaus in Mitte bezogen werden. Das Nicolaihaus zählt zu den ältesten Wohnhäusern Berlins. Es wurde 1670 errichtet. 1787 kaufte der Verlagsbuchhändler, Schriftsteller und Philosoph Friedrich Nicolai das Haus.

Im Erdgeschoss befand sich die Verlagsbuchhandlung von Nicolai. In seiner Zeit entwickelte sich das Haus zu einem geistig-literarischen Mittelpunkt der Aufklärung und Romantik, wo auch Daniel Chodowiecki, Johann Gottfried Schadow, Christoph Wilhelm Hufeland und Karl Friedrich Schinkel verkehrten. Am 26. Januar gibt Ulla Unseld-Berkéwicz einen Empfang, auf dem auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprechen wird.

dpa

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