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Umberto Eco legte zuletzt den Roman „Der Friedhof in Prag“ vor.

Umberto Eco: Porträt zum 80. Geburtstag

München - Der Wissenschaftler, Romancier und Essayist Umberto Eco wird an diesem Donnerstag 80 Jahre alt. Seine Kreativität entspringt so oder so aus seiner Veranlagung: Er ist Sammler und Jäger. Ein Portrait:

Wer 1980, sagen wir mal, Florenz bereiste und nicht nur ein Auge für die Kunstschätze, sondern auch die Buchläden der Stadt hatte, wunderte sich. In allen Auslagen wurde der Wälzer eines Semiotikers angeboten. Nun ist die Lehre von den Zeichen zwar so spannend wie nutzbringend für die Erkenntnis, aber doch eher nicht gerade der Lesestoff für jedermann. Eigenartig mutete ebenfalls der Titel „Il nome della rosa“ an, den der Bologneser Semiotikprofessor Umberto Eco gewählt hatte. Passte das zu seiner Wissenschaft? Ging es um die zeichentheoretischen Ebenen von Bezeichnetem, Bezeichnendem und realem Referenten? Es brauchte schon ein bisserl Zeit, bis das Zehnerl fiel und man den Universitätsmann mit dem Romancier zusammenbrachte.

„Der Name der Rose“ wurde zum Weltknüller der 1980er-Jahre. Und der Münchner Hanser Verlag war schlau genug, sich diesen Debütanten mit Bestsellerpotenzial zu schnappen. Nun arbeitet man schon seit Jahrzehnten getreulich zusammen. Im vergangenen Herbst kam der skurrile Verschwörungstheorie-Thriller „Der Friedhof in Prag“ im Stil eines Schauerromans des späten 19. Jahrhunderts heraus und jetzt im Winter als Geburtstagsgabe „Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers“. Eco, der an diesem Donnerstag 80 Jahre alt wird, hielt jene Vorlesung bereits 2008 an der Emory University in Atlanta, Georgia; sie reflektiert kenntnisreich die Grenzüberschreitungen vom Feld der Wissenschaft auf das der fiktionalen Literatur und zurück. Wanderschaften, die für beide Bereiche befruchtend sind, aber auch einem Eco nicht immer leichtfallen und reibungslos gelingen.

Der „junge Schriftsteller“ legt spät in der Belletristik los: „Als ich auf die fünfzig zuging, fühlte ich mich frustriert durch den Umstand, dass mein Schreiben kein ,kreatives‘ war, wie viele Wissenschaftler es tun. Ich habe nie verstanden, warum Homer als ein kreativer Autor betrachtet wird und Platon nicht. Warum soll ein schlechter Dichter ein kreativer Autor sein, während ein guter wissenschaftlicher oder Sachbuchautor keiner ist?“ Bei Umberto Eco entspringt die Kreativität so oder so aus seiner Veranlagung: Er ist Sammler und Jäger. Er will Erkenntnis – über den Menschen und sein Verhalten, politische Zusammenhänge und wie sie mit Denk-Haltungen verknüpft sind – und belauert sie geduldig. Um dabei erfolgreich sein zu können, sammelt er Spuren, eben Zeichen aller Art. Deswegen häufen sich in seiner Wohnung 20 000 Bücher, deswegen gibt er Bildbände (Sammlungen) heraus über Schönheit und Hässlichkeit oder „Die unendliche Liste“, worin er bekennt: „Wenn jemand in meinen Romanen nachliest, wird er feststellen, dass es darin vor Listen nur so wimmelt.“

Dieses Faktum macht Ecos Romane so substanziell; großartig, wie er aktuell im „Friedhof in Prag“ die Dummheit und Bösartigkeit etwa des Antisemitismus so süffig sardonisch wie kenntnisreich analysiert. Macht sie allerdings bisweilen schwerfällig – wenn der Sammler sich nicht überwinden kann, auf manches seiner Sammlerstücke im Sinne der Effizienz der Kunst zu verzichten. Was ihn dennoch auszeichnet und zum vielgeliebten/-gelesenen Autor prädestiniert, ist seine Lust am bunten Erzählen, das Bekenntnis zum Unterhaltsamen und sein Humor. Er packt seinen Denksport und seine prall gefüllte Wunderkammer ungeniert in Krimis oder Historienschinken. Klar, dass „Der Name der Rose“ verfilmt wurde (1986).

Umberto Eco, der mit dem Wandermönch aus der „Rose“ – Sean Connery verkörperte ihn wunderbar – berühmt wurde, kam am 5. Januar 1932 in Alessandria (Po-Ebene) auf die Welt. Nach dem Studium der Philosophie und Literatur war er ab 1954 Kulturredakteur bei RAI und ab 1959 Lektor im Mailänder Bompiani-Verlag. Währenddessen lehrte er bereits. 1975 kam dann die Berufung an die Universität Bologna als Professor für Semiotik. Sein Buch „Einführung in die Semiotik“ wurde zum Standardwerk. Seit 2007 lehrt der Mann mit den 30 Ehrendoktortiteln, der sich außerdem stets politisch und gesellschaftlich in seinem Land einmischt, nicht mehr. Und so sind wir gespannt, wie es weitergeht mit seiner „puren Lust an der narrativen Erfindung“.

Von Simone Dattenberger

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