+
Daniel J. Schreiber

Neuer künstlerischer Leiter

Umbruch im Buchheim Museum

Bernried - Das Museum Buchheim in Bernried steht vor dem Umbruch – und vor dem Aufbruch im positiven Sinn. Ab 1. August wird es einen neuen künstlerischen Leiter geben: Daniel J. Schreiber .

Der 47-Jährige ist derzeit Geschäftsführender Kurator der Kunsthalle Tübingen.

„Ich freue mich sehr, sehr“, platzt es aus Daniel J. Schreiber heraus, angesprochen auf seinen Wechsel von der hochrenommierten Tübinger Ausstellungsstätte zum Buchheim-Museum der Phantasie am Starnberger See. Im Gespräch mit unserer Zeitung möchte er noch keine „programmatischen Aussagen machen“, betont aber den Status der „eminenten Sammlung, der wundervollen Architektur und der herrlichen Umgebung“. Noch hängt der Kunsthistoriker, der in 1965 Hilden geboren wurde und von 1966 bis 1990 in München lebte, mit Leidenschaft am Tübinger Haus – „grandiose Institution“ – und den kommenden Ausstellungen. Beim Reden bemerkt man Schreiber zugleich die Begeisterung über die zukünftige Aufgabe an.

Der Schwerpunkt Expressionismus habe fasziniert, zumal er selbst in diese Richtung forsche. „Ich komme außerdem vom Kunsthandwerk und der Ethnologie her“, betont der Kunsthistoriker, der sich damit als maßgeschneidert für das facettenreiche Museum am Rand von Bernried erweist. Denn dort hat Lothar-Günther Buchheim nicht nur seine geliebten Expressionisten – vor allem die „Brücke“-Künstler – versammelt, sondern auch Arbeiten von den Naiven über Volkskunst bis zu Werken aus Afrika und Asien. Daniel J. Schreiber darf also aus dem Vollen schöpfen. Das weiß gerade einer besonders zu schätzen, der in einer reinen Ausstellungshalle tätig ist: Die hat keinen eigenen Bestand und ist daher abhängiger als ein Museum. Es tut sich leichter, weil es mit Leihgaben Gegengeschäfte anbandeln kann. Deswegen unterstreicht der Nachfolger von der im Unguten aus geschiedenen Buchheim-Kuratorin Clelia Segieth (31. 12. 2012), dass er sich erst einmal in die Sammlung vertiefen und die Mitarbeiter kennenlernen wolle. Jetzt zählen freilich in Tübingen vor allem Santiago Serra – die Schau wurde gerade eröffnet – und Birgit Brenner, der die nächste Ausstellung (ab 29.6.) gewidmet ist.

Ehrliche Freude ist gleichfalls bei Kurt Faltlhauser, der im Vorstand der Buchheim-Stiftung sitzt, zu spüren. Der Eindruck, den Daniel Schreiber gemacht habe, sei hervorragend gewesen. „Er hat eine souveräne, ruhige, fachlich kompetente und innovative Darstellung geboten.“ Der Vorstand hoffe auf neue Akzente; es sei natürlich klar, dass man „das Museum nicht neue erfinden“ könne. „Die Monate ab Sommer im Jahr 2013 sind dazu da, sich in die Welt Buchheims einzufinden, danach kommen dann eigene Ideen zum Tragen“, so Faltlhauser, bayerischer Finanzminister a. D. „Das Museum muss nicht hektisch in einen Innovations-Wettbewerb eintreten. Die Neuerungen sollen solide sein und nicht den Grundcharakter der Sammlung und Stiftung verbiegen.“

Immer wieder unterstreicht Faltlhauser im Gespräch aber, dass ein Museum „nicht in eine Erstarrung fallen“ dürfe. Das Museum Buchheim stehe in Konkurrenz zu Münchner Häusern – und er verweist insbesondere auf die Eröffnung des Museums Ägyptischer Kunst im Juni und auf die des Neuen Lenbachhauses im Mai. Deswegen war das Auswahlkuratorium von der Erfahrung Schreibers beeindruckt: „Er hat nicht ein bissl da und ein bissl dort gearbeitet, sondern in der Führung von wichtigen Häusern (Kunsthalle Tübingen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Anm. d. Red.).“ Alle Bewerbungsunterlagen hätten auch Diethild Buchheim vorgelegen, sagt Faltlhauser. Die 90-jährige Sammlerwitwe habe an den stundenlangen Auswahl-Sitzungen jedoch nicht teilnehmen können. Mit der neuen Personalie will der Vorstand außerdem sein Ziel erreichen, „den Familienbetrieb in einen ordentlichen administrativen Betrieb“ zu überführen. Und natürlich sollen der neue Mann und seine frischen Anregungen wieder mehr Besucher nach Bernried ins Museum der Phantasie locken. Den Wink des Obersten Rechnungshofs haben die Stiftungverantwortlichen wohl verstanden. „Bei einer reinen Dauerausstellung sagen die Leut schnell: Des kenn i scho“, fasst Kurt Faltlhauser die Lage zusammen. Und dabei ist ihm die Leidenschaft für dieses spezielle Museum und die Kunst überhaupt anzumerken: Hierin trifft er sich bestens mit dem neuen Buchheim-Kurator Daniel J. Schreiber.

Simone Dattenberger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maler Karl Otto Götz ist tot
Er galt als Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit: Karl Götz. Der Maler ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Maler Karl Otto Götz ist tot
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen

Kommentare